Gamerlife

Indie-März – Was sind Indie-Games und warum sind sie so wichtig? / #IndieMärz

Nach einem erfolgreichen Roleplay-Januar und dem gerade hinter uns gebrachten Platform-Februar, wird es Zeit für unseren nächsten Themen-Monat der #PileofNothing-Jahreschallenge 2018: der Indie-März. Wer sich nun darüber wundert, dass ‚Indie‘ streng genommen eigentlich gar kein Genre ist, das für einen Themen-Monat vorgestellt werden könnte, der hat vollkommen recht. Warum ich die Kategorie aber trotzdem für den März ausgewählt habe, was Indie eigentlich ist und warum es so wichtig für uns Gamer ist, erfahrt ihr heute in meinem Themenbeitrag.


Wenn Lara Croft mal wieder spektakulär einen Abhang hinunterstürzt, ein Assassine sein Credo auf die Probe stellt oder es uns bei Battlefield zum tausendsten Mal in den zweiten Weltkrieg verschlägt, dann jubeln nicht nur die Spielermassen, es fließt außerdem eine Menge Bares über die (physische oder virtuelle) Ladentheke. Unterstützt von riesigen Publishern mit ausgefeilten Marketingstrategien und einer großen Anzahl top-ausgebildeter Mitarbeiter, ist es für diese Spiele oftmals kein Problem, ausreichend Käufer zu finden. Ihre Entwickler gehören entweder bereits zum hauseigenen Team eines Publisher-Riesen wie Ubisoft, EA, Square Enix und Co. oder werden von selbigen bei der Entwicklung ihres Spiels finanziell unterstützt. Das mag zwar rein marketingtechnisch äußerst hilfreich sein, bedeutet aber auch, dass die kreativen Köpfe der Entwicklerteams den Vorgaben ihrer Geldgeber verpflichtet bleiben. Wie viele grandiose, ausgefallene und für den Mainstream-Markt einfach zu schräge Ideen wohl in den vergangenen Jahrzehnten aus reiner Profit-Kalkulation heraus abgewiesen worden sind? Mit Sicherheit eine große Menge. Alles hat so gesehen seine Vor- und seine Nachteile. Was aber machen Entwicklerstudios, die keinen Geldgeber finden – oder eben keinen haben wollen?

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Undertale / © Toby Fox


Was sind Indie-Games?

Indie-Games sind, wie aus der Einleitung vermutlich bereits zu entnehmen, Spiele, die einem unabhängigen Entwicklerstudio entsprungen sind und von ihren Machern dementsprechend selbst finanziert werden. Doch mal ganz vom monetären Aspekt des Wortes ‚Indie‘, das übrigens vom englischen Wort ‚independent‘ – also ‚unabhängig‘ – stammt, hat sich in den letzten Jahren eine weitere, irgendwie technisch-ästhetische Bedeutung des Wortes eingeschlichen. Ein eingeschränktes Budget führt schließlich dazu, dass sich Indie-Entwickler so einiges einfallen lassen müssen, um in der Masse an Spielen, die heutzutage ein Publikum suchen, überhaupt erst aufzufallen. Ausgefallene Neuheiten im Bereich Gameplay, Grafik oder Story stehen oft im Mittelpunkt – statt schon da Gewesenes immer wieder neu zu adaptieren (because never change a running system), liegt der Fokus in der Regel auf Innovation und Ausgefallenheit. Da ihnen keine Auflagen oder Vorgaben von großen (oder kleinen) Publishern ins Haus stehen, sind ihrer Fantasie in der Regel keine Grenzen gesetzt. Dafür liegt das Risiko eines Flops ganz bei den Indie-Studios selbst. Das knappe Budget für ein Projekt wird in Zeiten von Kickstarter und Co. nicht selten durch Crowdfunding-Kampagnen eingeholt und dann selbst verwaltet. Dabei ist wenig Geld nicht immer gleich mit schlechter Qualität gleichzusetzen (auch wenn das leider oft genug vorkommt) – viel eher schafft es ein gutes Indie-Studio, die Situation zu nutzen und das beste daraus zu machen.

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Stardew Valley / © Chucklefish Ltd.

Allein die Rückkehr der 16- und 32-Bit-Grafiken, die in den letzten Jahren stattgefunden hat und nun zu einem neuen Trend erwachsen ist, spricht dafür, dass auch mit wenigen Mitteln etwas geschaffen werden kann, das Auswirkungen auf die Spielerschaft und damit auch auf die gesamte Branche haben kann. Eine hilfreiche Entwicklung des Marktes für Indie-Studios war hierfür der Trend zur Online Distribution, die die Veröffentlichung eine Spiels im Retial (also als CD/DVD) nicht mehr zu einer Notwendigkeit macht. Mittlerweile gibt es übrigens auch Indie-Games, die sehr wohl einen Publisher haben, aber dennoch als solches bezeichnet werden. Das Spiel ‚Bastion‘ von Supergiant Games wurde beispielsweise von seinem Studio autonom entwickelt, aber von Warner Bros. Entertainment veröffentlicht. Die Kosten für die Entwicklung und Veröffentlichung lagen ganz bei den Entwicklern, während ihr Publisher die Kosten für Vertrieb und Marketing trug. Für Laienspieler sind diese kleinen, aber feinen Unterschiede oft nicht leicht zu durchschauen – und so kommt es schon mal vor, dass ein Spiel, das sich an minimalistisch gehaltene, künstlerische Grafik hält, trotz eines Publishers von der Spielerschaft leicht als ‚Indie‘-Game gehandelt werden kann. Aus diesem Grund halte ich ‚Indie‘ schon lange nicht mehr für eine Bezeichnung mit monetärem Hintergrund, sondern längst auch für eine ästhetisch-technische Bewegung der Spieleentwicklung.

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Owlboy / © D-Pad Studio


Warum sind Indie-Games wichtig?

Wer glaubt, Indie-Games seien nur eine Randerscheinung auf dem Spielemarkt, der hat seine Hausaufgaben offensichtlich nicht gemacht. Ein verstohlener Blick auf die Steam-Startseite reicht aus um zu erkennen, welch großen Anteil Spiele unabhängiger Entwickler mittlerweile in der Branche haben. Mit Crowdfunding, Steam-Greenlight, Early Access und dem praktischen Phänomen der Online Distribution ist es heutzutage beinahe jedem Menschen mit ein paar Grundkenntnissen möglich, ein Spiel zu programmieren und als solches online zu verkaufen. Dies birgt für uns Verbraucher natürlich so seine Risiken: Gar nicht auszumalen, wie viele von den unzähligen Indie-Spielen, die uns bspw. auf Steam tagtäglich entgegenblinken eigentlich totaler Schwachsinn sind. Andererseits ist es auch ihre Masse, die eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf Markt-Tendenzen haben kann: Aktuelle Spieletrends lassen sich wunderbar an den gerade beliebten Indie-Spielen ablesen. Schließlich sind sie in ihrer Entwicklung oftmals schneller als neuste Tripple-A-Blockbuster und passen sich daher schneller an die Vorlieben der Spielerschaft an.

Indie-Games sind als kontradiktorischer Ausgleich zum High-Budget-Mainstream zu sehen. Große Publisher haben es leicht, die Werbetrommel zu rühren, ausgefeiltes Marketing zu betreiben und dem Verbraucher, der es bald gar nicht mehr anders kennt, Unmengen überteuerter Addons, DLCs, Fortsetzungen, Remakes, Adaptionen und Reboots zu verkaufen. Schließlich lässt er es ja auch mit sich machen. Wenn dann plötzlich ein Indie-Game erscheint, dass bei seinem Publikum so dermaßen einschlägt, dass es einen regelrechten Hype auslöst – nehmen wir beispielsweise das pazifistische Rollenspiel Undertale oder die detailverliebte Farming-Simulation Stardew Valley -, werden nicht nur wir Spieler daran erinnert, was wir in den letzten Jahren so schmerzlich an der Gaming-Branche vermisst haben (nämlich Innovation, Liebe und Herzblut. Oder einfach fertige, bugfreie Spiele ohne Early-Access), auch die großen Publisher bekommen ein deutliches Signal der Wünsche und Bedürfnisse ihrer Spieler mitten ins Gesicht gefeuert. Ob und inwieweit die Großfirmen dann auf die Resonanz reagieren, ist natürlich eine andere Geschichte. Dennoch halte ich Indie-Games aus diesem Grund für wahnsinnig wichtig für die Gaming-Branche.

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FoxTail / © Gingertips Game Studio


Meine Indie-Game-Klassiker der letzten Jahre

Wer noch eine Empfehlung für den Indie-März benötigt, bekommt hier von mir eine kleine Auswahl an Spielen, die mich (und manchmal auch ganze Massen an Spielern) besonders berührt haben.

  • Undertale (Toby Fox): Vor vielen, vielen Jahren lebten die Monster und die Menschen gemeinsam friedlich auf der Erde. Eines Tages brach jedoch Krieg aus und die Menschen verbannten die Monster mithilfe eines mächtigen Zaubers in den Untergrund. Viele Jahre später stürzt ein kleines Mädchen namens Frisk, das vom Spieler gesteuert wird, in den Untergrund hinab und wird dort von einem liebenswürdigen Monster namens Toriel aufgelesen und beschützt. Nun gilt es, einen Ausweg aus der ewigen Dunkelheit des Monsterwelt zu finden – und dabei die Geschichte der Monster und ihr wahres Wesen zu offenbaren.
  • Stardew Valley (Eric Barone): In der bunten Farming-Simulation Stardew Valley bekommt der Spieler in allergrößter Harvest-Moon-Manier die Möglichkeit, eine eigene Farm aufzubauen, auszubauen, Feldfrüchte anzupflanzen und das gemütliche Leben eines Bauers auf dem Land zu genießen. Dabei glänzt das Spiel nicht nur durch ein abwechslungsreiches Gameplay inklusive Dungeons, sondern auch mit wunderbaren, individuellen Charakteren, die es nach und nach kennenzulernen gilt.
  • Owlboy (D-Pad Studio): Otus war schon immer verdammt tollpatschig. Deswegen glauben sein Mentor und die restlichen Dorfbewohner nicht daran, dass er auch nur irgendetwas Gutes vollbringen kann. Als Otus eines Tages versehentlich Piraten in sein Heimatdorf führt, scheint dann tatsächlich alles verloren zu sein. Doch mithilfe des Spielers setzt der Junge alles daran, sich als wahre Eule zu beweisen.
  • Rakuen (Laura Shigihara): ‚Rakuen‘ ist der Name der allerliebsten Lieblingsgeschichte des kleinen Jungen, der wegen einer schweren Krankheit im Krankenhaus bleiben muss. In der Geschichte erfährt der Junge von einem Wald namens ‚Morizora’s Forest‘, indem der große Waldgott Morizora hausen und seinen ewigen Schlaf halten soll. Schafft man es, Morizora zu wecken, gewährt er demjenigen seinen größten Herzenswunsch. Wenn es doch nur irgendeine Möglichkeit gäbe, das Krankenhaus zu verlassen und den Waldgott aufzusuchen, um ihn um etwas ganz Dringendes zu bitten … (Review)
  • Ghost of a Tale (SeithCG): Bei diesem kleinen Stealth-Abenteuer steuert der Spieler den kleinen Mäuserich Tilo auf der Suche nach seiner großen Liebe Merra. Dabei durchstreift er eine mittelalterliche Welt, die einzig und allein von Tieren bevölkert ist. Dabei kommt es schon mal vor, dass er es mit einem Gegner zu tun hat, der um einiges größer ist als er selbst. Es heißt also, geschickt vorzugehen!
  • UnEpic (@unepic_fran): In einer Mischung aus Platformer und Rollenspiel steuert der Spieler den jungen Daniel durch abenteuerliche Dungeons, führt ihn gegen mächtige Bosse in den Kampf und löst die unterschiedlichsten Rätsel. Und dabei ist Daniel eigentlich nur ein stinknormaler Kerl mit einer Vorliebe für Videospiele, Science Fiction Movies und Rollenspiele. Wer hätte gedacht, dass er einmal selbst Teil eines solchen sein würde? Gespickt mit den unterschiedlichsten Referenzen zu Games, Filmen, Comics und Co. ist UnEpic eines der herrlichsten Spiele der letzten Jahre.
  • Armello (League of Geeks): Das Königreich Armello ist bedroht: Dunkle Magie hat den König befallen und ihn korrumpiert. Seine Grausamkeit kennt keine Grenzen mehr – und so brennt er ganze Dörfer nieder und schickt seine düsteren Schergen auf Raubzüge. Mit dem gemeinsamen Ziel, dem Dasein des bösen Königs ein Ende zu bereiten, ziehen die Spieler mit ihren Helden aus unterschiedlichen Tier-Clans auf eine abenteuerliche Queste. Das Ganze funktioniert als Fantasy-Tabletop-Rollenspiel-Mischung mit Würfeln und Spielkarten nach rundenbasiertem Prinzip.

Jahres-Challenge 2018 / #Pile of Nothing

Weg mit dem Pile of Shame! Egal, ob ihr im Januar bereits bei den Rollenspielen fleißig mitgemacht habt, oder ob ihr jetzt erst in die Challenge einsteigt – jeder ist herzlich willkommen! Gemeinsam haben wir es uns zu Aufgabe gemacht, lästige Spiele-Leichen von unserem Pile of Shame zu entfernen und uns endlich daran zu machen, die Spiele zu spielen, die wir gekauft, aber längst nicht angerührt haben. Der sogenannte „Pile of Shame“ soll dieses Jahr langsam reduziert werden.

Zur Erinnerung!

Wenn ihr gerne an der Challenge teilnehmen möchtet, schreibt mir bis zum Ende des Monats unter diesen Beitrag, welche Spiele ihr in diesem Monat (bereits) geschafft habt. Dann erhaltet ihr ein Los (Nur eines. Nicht für jedes beendete Spiel eines!) für die große Verlosung im Juni 2018. Denkt daran: Wenn ihr kein Spiel aus dem Monats-Genre besitzt oder durchspielen wollt, könnt ihr mir gerne auch ein Spiel aus einem anderen Genre nennen. Schließlich geht es darum, den Pile of Shame zu reduzieren, die Monatsthemen sollen nur einen Anhaltpunkt geben, wo ihr anfangen könntet. Ihr erhaltet während dieser Challenge übrigens mehrfach die Chance, euch an der Challenge zu beteiligen und Lose zu sammeln. Alle notwendigen Infos dazu findet ihr HIER.

Einsendeschluss für den Indie-März ist der 31.03.2018 um 23:59 Uhr!

Also ihr Lieben? Wie weit seid ihr bereits mit eurer Challenge? Und vor allem: Welche Spiele habt ihr schon geschafft?

 

5 replies »

  1. Ich habe meinen ersten Indie-Titel für diesen Monat durch: „Q.U.B.E. – Director’s Cut“, ein Puzzler in Egfoperspektive in einem ähnlich sterilen Ambiente wie Portal. Statt Portale zu erzeugen basieren aber alle Puzzles hier auf der Manipulation von Würfeln mit verschiedenen Fähigkeiten. Macht echt Laune, ist aber nicht sehr umfangreich, ich war i nicht ganz 4 Stunden durch. Aber es waren echt coole 4 Stunden! Wenn es klappt will ich noch „Last Will“ diesen Monat durchspielen, aber das will ich im Coop tun, edas steht und fällt also auch damit, wie mein Kumpel, mit dem ich es begonnen habe, Zeit hat.

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  2. Anders als beim Platform-Februar habe ich es dieses Mal deutlich früher und nicht erst auf dem letzten Drücker geschafft 🙂
    Ich habe Celeste durchgespielt. Tolles 2D Jump n Run im Pixellook und absolut empfehlenswert! Habe knapp neun Stunden dran gesessen, ohne den Hard Mode zu spielen und alles einzusammeln. Bei einem Preis von 20 Euro bekommt man einiges geboten. Ausführliche Zusammenfassung folgt noch 🙂

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