Games Review

[Review] Life is Strange: Before the Storm – Warum Episode 1 mich nicht überzeugen konnte

Life is Strange: Before the Storm

Was war die Begeisterung groß, als auf der Gamescom 2017 der Trailer für den Nachfolger bzw. das Prequel zu Life is Strange präsentierte. Ich glaube, ich bin damals sogar im Kreis gehüpft. Nur knapp ein Monat sollte zwischen der offiziellen Ankündigung und dem Release der ersten Episode vergehen, eine von nur dreien, wie sehr schnell klar wurde.

Inhalt

  • Entwicklung im Wandel
  • Gameplay
  • Story
  • Charaktere
  • Wertung

Entwicklung im Wandel

Am 31. August 2017 veröffentlichten Square Enix und das Studio Deck Nine mit Before the Storm das Prequel zum Klassenschlager Life is Strange. Das Studio ist nun ein anderes (LiS wurde ursprünglich von DONTNOD Entertainment entwickelt), die Story, so heißt es, käme jedoch weiterhin aus der Feder der ursprünglichen Entwickler. Statt fünf Episoden wie im ersten Teil bekommen die Spieler dieses Mal nur drei Episoden, schließlich handelt es sich bloß um ein Prequel und nicht um das offizielle Sequel, nicht um Life is Strange 2. Okay, dachte ich mir, dann eben was kleines.

Ein weiterer Rückschlag für mich war die Nachricht, dass die ursprüngliche Synchronstimme von Chloe, Ashly Burch, aus Protestgründen gegen schlechte Bezahlung von Synchronsprechern in Amerika die Rolle in diesem Teil Life is Strange ablehnen musste. Chloes Stimme, die man auch als Aloy, Hauptrolle von Horizon Zero Dawn (PS4), kennt, war unfassbar passend jugendlich und emotional. Wie immer ist ein Wechsel in der Stimme ungewohnt und kann einen aus der Geschichte rausreißen. Natürlich kann in diesem Fall niemand etwas dafür, schließlich sollen Synchronsprechen angemessen bezahlt werden und das Studio wollte das Spiel fertig bekommen. Und ich gebe zu, dass ich zu Beginn skeptisch war, doch ich muss zugeben … im Verlauf der ersten Episode konnte ich mich mit der neuen Synchronstimme,  Rhianna DeVries, überraschend gut anfreunden. Tatsächlich schafft sie es fast so gut zu sprechen, dass einem der Unterschied kaum auffällt, wenn man nicht genau hinhört.

© Square Enix

Gameplay

Gameplaytechnisch unterscheidet sich LiS:BtS kaum vom ursprünglichen Life is Strange. Wir steuern als die16-jährige Chloe – diesmal noch ohne blaue Haare -, die im Teenageralter gerade erst anfängt, gegen ihre Mutter und deren neuen Lebenspartner zu rebellieren. Und wie schon im ersten Teil liegt der Fokus hauptsächlich auf den Beziehungen und den Gesprächen, auf der Psychologie der Figuren und wie sie miteinander funktionieren – oder eben nicht. Durch das fehlende ‚Zeitreise‘-Feature fallen unterschiedliche Entscheidungen stärker ins Gewicht, da sie sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Dafür schienen die Entscheidungen in der ersten Episode allerdings noch keine wirklich schwerwiegenden zu sein. Die anfänglichen Konsequenzen blieben unspektakulär und flach, was vielleicht daran liegen könnte, dass es erst die erste Episode war, vielleicht aber auch daran, dass die Entweder-Oder-Entscheidungen nicht mehr mit dem im letzten Teil obligatorischen Sound unterlegt wurden, der signalisierte, dass es bei einer Entscheidung um die Wurst geht. Die Spannung blieb aus, die Entscheidungsgewalt fühlte sich nicht wichtig an.

Ein sehr interessantes und vor allem äußerst spaßiges Feature ist es, dass man sich nun in einigen Fällen mit seinen Gesprächspartnern anlegen kann, um etwas bei ihnen zu erreichen oder an Informationen zu kommen. Dabei handelt es sich um eine Art ‚Gesprächsduell‘, bei dem es darum geht, schnellstmöglich die schlagfertigste Antwort auszuwählen und den Gegenüber möglichst sprachlos zu machen. Schafft man es, vor abgelaufener Zeit die Antwort zu wählen, die am besten passt, fühlt man sich nach getaner Arbeit wie der King im Ring. Schwierig könnte diese Aufgabe jedoch für diejenigen sein, die nicht gut darin sind, Englisch zu verstehen – und dieses dann schnell mit den deutschen Antworten in Verbindung zu bringen, da das Spiel zwar mit deutscher UI, aber nicht mit deutscher Sprachausgabe erschienen ist.

© Square Enix

Story

Über die Story lässt sich nach der ersten Episode noch nicht viel sagen, auch wenn es sich eigentlich um den ersten von drei Akten handelt. Wir kehren in unsere gewohnte Umgebung Arcadia Bay zurück und lernen Chloe und ihr Lebensumfeld kennen. Für diejenigen, die Chloe nicht kennen, möchte ich hier nicht zu viel vorweg nehmen. Sie steckt in einer typischen Teenager-Krise, hat keine Freunde und verkehrt in den falschen Kreisen. Wir lernen die wichtigsten Charaktere kennen und lösen ein paar kleine Rätsel, spielen ein paar nette Dialoge durch. Wirklich spannend wird es bis zum Ende (nach ca. 4 1/2 Stunden) nicht und wo die Story eigentlich hin will bleibt auch noch relativ unklar. Natürlich, schließlich gibt es keine große Bedrohung abzuwenden wie in LiS, es gibt keine Zeitreise und keine verschollenen Personen. Es gibt einfach nur Chloe…

Charaktere

Es war ein schönes Gefühl, die bereits bekannten Charaktere aus dem ersten Teil wieder zu treffen, auch wenn es sich um ihr ‚früheres‘ Ich handelt. Chloes Mutter, ihr angehender Stiefvater und Frank, der Drogendealer, sind bekannte Gesichter, die einem mit knackigen Dialogen ein Lächeln entlocken. Mein Problem hatte ich allerdings mit der neu-eingeführten Rachel, die aus dem ersten Teil zwar wohl bekannt ist, aber doch eine relativ kleine Rolle spielt. Ich fand sie einfach wahnsinnig anstrengend, ihre Art, sich selbst in den Mittelpunkt zur rücken und nicht an ihre Umwelt zu denken, ist das, was man von einer verwöhnten Anwaltstochter erwarten würde. Sie behandelt Chloe nicht gut, sie reagiert sehr schnell über und wurde für mich dadurch nicht nachvollziehbar. Natürlich kann man nach der ersten Episode noch nicht viel sagen, doch bei drei Episoden handelt es sich zumindest um das erste Drittel der Geschichte – und dafür lässt sich doch schon so einiges sagen. Ich mochte Rachel nicht. Dabei handelt es sich natürlich um meine ganz eigene Meinung, die allgemeine Tendenz scheint hinsichtlich der ersten Episode positiv gestimmt zu sein, betrachtet man die Steamreviews.

© Square Enix

Wer den ersten Teil kennt, der ist darauf vorbereitet, dass Chloe nicht ganz einfach ist. Dabei bleibt einem aber auch immer selbst überlassen, wie man sie austarieren möchte: Macht man aus ihr die totale Rebellin gegen ihre Familie oder doch eher die nachsichtige Tochter, die unter den Lebensumständen zu leiden hat? Natürlich wird sich ihr Grundton niemals gänzlich ändern, denn Chloe kann eine Krätze sein – und soll es auch. Die Chloe, die wir kennen und lieben oder auch hassen gelernt haben, wird durch Rachel schließlich erst entstehen. Ich gebe zu, ich vermisse Max, Chloes ehemalige beste Freundin und Hauptperson des ersten Teils, denn ich tat mich leichter, mich mit ihr zu identifizieren, als ich es mit Chloe tue. Chloe versucht ständig, sich zu beweisen. Es ist interessant zu beobachten, aber so sein wollte ich nie.

Wertung

Es ist nicht so, dass ich nach Abschluss der ersten Episode dachte: Wow, das war vielleicht schlecht. Oder: Man, das war langweilig. Nein, es war solide. Es war schön, geradezu nostalgisch, aber es hat mich eben auch nicht vom Hocker gerissen. Mir fehlen Charaktere, mir fehlen Features, mir fehlt Spannung. Und mit der einzig wichtigen Person neben Chloe, nämlich Rachel, habe ich so meine Differenzen, von denen ich noch nicht weiß, ob sie so intendiert waren. Sollte Rachel nicht ein Engel sein? Sie war überall beliebt – JEDER liebt sie, warum dann nicht ich? Das neue Konfrontations-Feature hat mir wunderbar gefallen, da es den Dialogen Spannung verleiht, die sonst vielleicht nicht da wäre. Denn die großen Entscheidungen, vor die uns das Spiel in dieser Episode stellt, fallen gefüllt so gar nicht ins Gewicht. Es spielt sich, wie sich ein langsames Slice-of-Life-Buch eben lesen würde: langsam, aber nett. Überzeugen konnte mich nur der gewohnt grandiose Soundtrack, der mir auch jetzt noch tief unter die Haut geht.

Wertung: 55%

Metacritic: //

+ Wiedersehen mit altbekannten Charakteren
+ knackige Dialoge
+ spannendes Konfrontations-Feature
+ toller Soundtrack
+ D&D Spieleinlage


– fehlende Spannung
– unsympathische Charaktere
– Entscheidungen fallen wenig ins Gewicht
– wenig Story im ersten Drittel
– zu leichte Rätsel

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