Action

[Review] Portal Knights – Das Sandbox-RPG light für die ganze Familie

Im Jahr 2017 erhielt Portal Knights den Deutschen Computerspiel Preis und erlangte dadurch erst so richtig meine Aufmerksamkeit. Zwar hatte ich den Sandbox-Titel auf Steam eine Weile im Auge behalten, dochhielt mich das Banner „Early Access“ zugegebenermaßen lange davon ab, es noch vor Erscheinen anzuspielen. Inzwischen ist Portal Knights offiziell erschienen – auch für die Nintendo Switch – und bietet seinen Spielern ein kunterbuntes Alternativprogramm zum Sandbox-Dauerbrenner Minecraft.


Portal Knights

Genre: Action, RPG, Sandbox
Plattform: PC [Steam], PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, iOS, Android
Erscheinungsdatum: 18. Mai 2017
Entwickler: Keen Games
Publisher: 505 Games
Sprache: Deutsch [Schrift], Englisch [etc.]
Preis: 19,99€ [PlayStation 4, Xbox One], 29,99€ [Nintendo Switch], 5,49€ [iOS, Android]

Hier geht’s zum Spiel…


Eine Welt in Trümmern

Auch wenn Portal Knights versucht, an allen Ecken und Enden ein Rollenspiel zu sein, hapert es an der nur sporadisch erzählten Story wohl am meisten: Die Welt liegt wortwörtlich in Trümmern, seit sie von dunklen Mächten in einzelne Welt-Splitter zersprengt wurde, die losgelöst voneinander existieren. Die einzige Möglichkeit, die Verbindung zwischen diesen einzelnen kleinen Welten wieder herzustellen ist, die Portale zu reaktivieren, die ein Reisen zwischen den fliegenden Inseln bzw. den Splittern möglich machen und so zur Heilung der Welt beitragen können. Bewerkstelligen können dies nur die legendären Portal Knights, Ritter unterschiedlichster Herkunft, die die Portalsplitter zusammenfügen, die Portale reparieren und anschließend zwischen den Welten hin und her reisen können.

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© 505 Games, Keen Games

Genau so einen Portal-Ritter erstellen wir uns, wenn wir das erste Mal ins Spiel starten. Dabei gibt es eine angenehme Auswahl an Gesichtsdetails wie Augen, Mund und Nase sowie an Frisuren, die sowohl für männliche als auch für weibliche Avatare gelten, und eine großzügige Farbpalette. Lediglich die Stimmauswahl fällt etwas mau aus; da unsere Spielfigur aber so gut wie gar keine Geräusche von sich gibt, es sei denn sie befindet sich im Kampf, fällt die kümmerliche Auswahl der vier möglichen Helium-Stimmen nur wenig ins Gewicht. Gefällt uns das Äußere unseres Portal Knights, stehen wir vor der Entscheidung, welche der drei möglichen Klassen wir für ihn auswählen: Krieger, Fernkämpfer oder Magier. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, stehen uns dann im Verlauf des Spiels alle fünf Level neue passive Fähigkeiten zur Verfügung, die die jeweilige Klassen-Spezialisierung unterstützen. Dabei bleibt dennoch etwas Freiheit bei der letztlichen Ausführung unseres Spielcharakters, denn wir können unseren Bogenschützen immer noch auf Stärke und/oder Intelligenz trimmen und ihm ein Schwert oder einen mächtigen Zauber in die Hand geben wenn wir möchten, auch wenn unsere passiven Fähigkeiten einen anderen Weg vorgeben.

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© 505 Games, Keen Games

Der Rollenspiel-Grundstein ist also gelegt: Die unterschiedlichen Attribute wie Konstitution, Stärke, Agilität, Geschicklichkeit und Co. können mit jedem Level um maximal drei Punkte gesteigert werden und führen so zu einer kontinuierlichen Entwicklung und Verbesserung des Charakters. Talente, bzw. neue passive Fähigkeiten werden nur alle fünf Level freigeschaltet, können dafür jedoch jederzeit neu gewählt werden – die Klasse, die wir zur Charaktererstellung gewählt haben, bleibt jedoch fix und gibt vor, auf welche neuen Talente wir Zugriff haben. Alles in Allem ist die Charakter-Gestaltung nicht allzu kompliziert und schnell durchschaubar, bietet dadurch aber auch nicht gerade viel Abwechslung oder Tiefe, um sich genauer damit beschäftigen zu müssen. Min-Maxer kommen also so gut wie gar nicht auf ihre Kosten – dafür ist das Spiel einfach zu sehr auf eine junge Zielgruppe und deren Familie zugeschnitten.


Doch kein Minecraft

Insgesamt 48 verschiedene (zufällig generierte) Welten können wir im Spiel bereisen; die meisten davon erreichen wir, indem wir Portalsplitter sammeln und damit das zugehörige Portal reparieren, andere erreichen wir über einen speziellen Gegenstand nur zu einer bestimmten Zeit oder einem bestimmten Event. Die Welten sind allesamt wunderschön gestaltet und unterscheiden sich nicht nur in ihrem nach Klimazone ausgerichteten Design (Wüste, Wald, etc.), sondern auch ihrer Flora und Fauna sowie darin, welche Erze und Gesteine im Boden  zu finden sind. Hier kommt der Sandbox-Teil ins Spiel: Genau wie bei Minecraft können wir also mit unserer Spitzhacke oder anderen Bergbau-Utensilien alles abbauen, was die fliegende Insel, auf der wir uns befinden, gerade für uns bereit hält. Egal ob Kupfer, Eisen und andere Metalle, Rubine, Smaragde und andere Edelsteine, Holz, Pflanzen oder ganze Haus-Einrichtungen – alles kann ganz einfach abgebaut, in die Tasche gesteckt und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Erde, Stein und Holz, aber auch andere, schön verzierte Runensteine bieten dabei ausreichend Baumaterialien, um die eigene Basis zum Traumhaus auszubauen. Wer es extravaganter mag, kann jedoch auch zu teureren Materialien greifen und damit seiner Fantasie freien Lauf lassen.

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© 505 Games, Keen Games

Als geeignetes Plätzchen für das Traumhaus kann man jede der 48 verfügbaren Welten wählen und sie im Reise-Menü als Heimat deklarieren, um jederzeit per Schnellreise Zugriff auf die Basis zu haben. In einer normalen Welt wird man dabei jedoch immer wieder mit Besuch rechnen müssen, denn es leben die unterschiedlichsten Monster dort. Wer seine Ruhe will, der kann relativ früh im Spiel eine Besitzurkunde für ein Eigenheim kaufen: ein Stück Land ganz ohne Monster und in einem Biotop nach freier Auswahl. Genau der richtige Platz, um die verschiedensten architektonischen Projekte zu verwirklichen.

Mehr als einmal kam mir dabei jedoch die Frage nach dem ‚Wozu‘? Anders als Minecraft ist Portal Knights nämlich kein Survival-Spiel: Man muss nicht essen, um sich bei Kräften zu halten und die meiste Einrichtung ist zumeist sowieso nur zum Anschauen da. Gut, ich kann Beeren, Karotten und andere Dinge in meinem Vorgarten anbauen, um beispielsweise Tränke zu brauen. Doch der Tod wird in Portal Knights kaum bestraft – man verliert ein paar Münzen und spawnt anschließend auf der Ankunftsplattform, kann also gleich von vorne beginnen. Der Fortschritt bleibt bestehen und man verliert auch keine Gegenstände wie etwa bei Minecraft, sodass man bald wenig Angst um die Gesundheit seines Charakters hat. Es gibt auch kein Wetter, vor dem man sich schützen müsste. Ein Haus zu bauen ist also eine rein kreative Angelegenheit und in keiner Weise notwendig. Viel wesentlicher ist es, die unterschiedlichsten Crafting-Stationen zu bauen und Truhen zu haben, in denen man all die unzähligen, überschüssigen Items abladen kann, die man im Verlauf des Spiels lootet.

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Craften und Grinden

Das Crafting-System nimmt einen sehr großen Anteil des Spiels ein: Da Monster und Bosse keine Rüstungsteile oder Waffen fallen lassen, sondern Materialien und Erfahrungspunkte, sind wir also gezwungen, uns selbst zu helfen. Dabei ist das Crafting-System sehr detailliert und ausgefeilt, bietet unzählige Möglichkeiten zu Erschaffung der passenden Ausrüstung oder Werkzeug, von Zaubern oder Inneneinrichtung. Dabei gibt es neben der normalen Werkbank, die immer wieder aufgerüstet werden kann, um noch mehr Crafting-Optionen zu erhalten, noch viele weitere Stationen wie den Amboss, den Schmelzofen, die Fernkämpfer-Station oder das Magierbuch, die allesamt ihre eigenen Crafting-Spezialisierungen haben und sich wunderbar ergänzen. Gerade zu Anfang tat ich mich sehr schwer, die unterschiedlichen Optionen im Auge zu behalten und genau zu finden, was ich suchte. Und das, obwohl die Rezepte zum Craften im jeweiligen Menü gespeichert bleibt und nicht, wie bei Minecraft, jedes Mal umständlich im Internet nachgeschaut werden muss. Die Anzahl der verfügbaren Gegenstände nimmt rasant zu, je weiter man im Spiel kommt, und macht es damit sogar noch etwas schwerer, den Überblick zu behalten. Trotzdem gibt das Crafting-System dem Spiel genau die Tiefe, die ihm in anderen, besonders Rollenspiel bezogenen Dingen fehlt.

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© 505 Games, Keen Games

Lediglich die Suche nach den unterschiedlichsten Materialien kann sich schnell als umständlich und Zeit fressend herausstellen: Da es in unterschiedlichen Welten die unterschiedlichsten Erze (und andere Rohstoffe) gibt, ist die Suche nach den nötigen Crafting-Materialien oft damit verbunden, dass man von Welt zu Welt reist, um alles zusammenzuklauben. Wenn die zu einem Großteil gähnend langen Ladezeiten (auf der Nintendo Switch) nicht wären, wäre das vielleicht gar kein so großes Problem. Hat man eine der 48 Welten nämlich schon mal besucht, kann man im Reisemenü genau nachsehen, welche Rohstoffe, aber auch welche Monster in dieser Welt zur Verfügung stehen. So muss man zumindest nicht blind drauf los hüpfen und hoffen, dass man irgendwann mal auf Eisen oder Titanium stößt. Mühsam bleibt die Suche trotzdem, denn je weiter wir uns und unsere Crafting-Stationen entwickeln, desto mehr Rohstoffe benötigen wir logischerweise für unsere verbesserte Ausrüstung. Und so dreht sich in Portal Knights so gut wie alles nur ums Sammeln und Basteln.


Nichts Halbes und nichts Ganzes

Neben einem klassischen Sandbox-Spiel, zu dem Portal Knights durch sein komplexes Crafting-System durchaus wird, versucht das Spiel dies mit Rollenspiel-Elementen zu verbinden. Angefangen bei der Charaktererstellung und dem zugegebenermaßen eher flachen Klassen-Sytem, endet der Versuch damit, sporadisch NPCs mit Quests in den Welten zu verstreuen, auf die man – ganz in Open-World-Manier – eher zufällig trifft. Die Quests beschränken sich dann darauf, ein bestimmtes Item zu craften oder eine bestimmte Anzahl an Monstern zu erlegen und anschließend zum Questgeber zurück zu tingeln, um sich seine verdiente Belohnung abzuholen. Diese besteht meistens aus Rohstoffen und Erfahrungspunkten, manchmal aber auch aus Haustieren oder Werkzeug. Manchmal findet man sich auch in einem der vielen, aber viel zu ähnlichen Dungeons wieder, an deren Ende eine Schatzkiste zur Belohnung wartet. Nichtsdestotrotz bleiben die Quests schwach und unabhängig von jeder Story, repetitiv und viel zu einfach.

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© 505 Games, Keen Games

Das selbe kann man übrigens auch über das Combat sagen: Man hat nun also die Wahl zwischen Nahkampf, Fernkampf und Magie, doch spielen sich gerade die beiden physischen Klassen beinahe gleich und eher langweilig. Um anzugreifen, muss man lediglich eine Taste gedrückt halten, unterschiedliche Angriffe oder aktive Fähigkeiten gibt es nicht, und wenn ein Gegner zum Angriff ausholt, sollte man rechtzeitig „Ausweichen“ drücken, um anschließend wieder zum Angriff über zu gehen. Die Magie bringt etwas Abwechslung hinein, denn hier haben wir die unterschiedlichsten Zauber mit unterschiedlichen aktiven und passiven Auswirkungen auf das Kampfgeschehen, sodass ich auf jeden Fall dazu raten würde, sich auf die Klasse Magier zu spezialisieren, oder die anderen beiden Klassen mit magischen Fertigkeiten bzw. Zaubern aufzurüsten.

An sich sind die Gegner recht interessant gehalten: Jedes Monster folgt einem bestimmten Bewegungsablauf und bestimmten Angriffen, denen man schnell lernen sollte auszuweichen, um unnötige Tode zu vermeiden. Während der Orc zuschlägt und dann wegläuft, wenn er kaum noch Leben hat, hat der Golem einen Schlag mit der Faust, einen fiesen Sprungangriff und eine Selbst-Heilung (und dazu natürlich viel Leben). Auch wenn das Combat-System des Spiels nun nicht besonders viel Abwechslung mit sich bringt, so sind es doch zumindest die Gegner, die im Kampf Spannung heraufbeschwören. Kennt man die unterschiedlichen Abläufe der unterschiedlichen Monster, bietet jedoch auch das nicht mehr besonders viel Herausforderung. Erst wenn mehrere Monster auf einmal angreifen, ist eine Flucht vielleicht doch ratsam. Ganz nach Rollenspiel-Vorbild gibt es natürlich auch große Bossmonster, davon allerdings nur 3 Stück, denen man im Verlauf des Spiels in eigenen Welten begegnet. Diese haben zwar mehr Leben, sind aber vom Herausforderungsgrad ähnlich zu ihren kleinen Verwandten – wenn man seine Schwachstellen kennt, muss man eigentlich nur noch durchhalten und zuschlagen, wenn die Zeit reif ist.

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© 505 Games, Keen Games

Wertung

Portal Knights ist ein Spiel für die ganze Familie – und das soll es auch sein. Wer hier – wie ich – ein zweites oder gar besseres Minecraft erwartet, der wird recht schnell enttäuscht werden. Der Versuch des Spiels, die unterschiedlichsten Mechaniken aus unterschiedlichen Genres zu verbinden, gelingt nur, dann wenn man es aus den Augen einer Familie mit jüngeren Kindern, nicht aber aus den Augen eines erfahrenen, erwachsenen Videospielers betrachtet: Das Kampfsystem, die Quests und der Schwierigkeitsgrad sind einfach gehalten und spielen sich wie eine abgespeckte Version seiner geistigen Vorgänger und es fehlt auf die Dauer an Komplexität, um seine (erwachsenen) Spieler längerfristig zu beschäftigen. Der große Schwerpunkt liegt definitiv auf dem Crafting-System, das unzählige Möglichkeiten bereit hält und sich mithilfe der Rezepte, die man unterwegs finden kann, stetig weiterentwickelt. Das Bauen und Kreativ Sein bleibt weiterhin eine rein freiwillige Angelegenheit, die dem schnöden Craften-Grinden-Craften-Grinden als angenehme Erfrischung jederzeit entgegensteht. Die Einfachheit, die bunte Grafik, die simple Steuerung gerade im Kampf sind auf jeden Fall dazu gedacht, Portal Knights für alle Altersklassen gleichermaßen zugänglich zu machen, und es dabei trotzdem mehr für Jung als für Alt interessant gestalten. Dafür spricht auch der mögliche 4-Spieler-Coop-Modus und der lokale 2-Spieler-Splitscreen-Modus, der es erlaubt, alle Abenteuer auch gemeinsam auf der Couch zu erleben, wenn man denn gern möchte. Portal Knights ist für mich ein schönes, einfach gehaltenes Spiel mit einigen Schwächen, das ich dennoch jedem uneingeschränkt empfehlen würde, der Kinder zuhause hat oder einfach nur mal ganz entspannt abschalten möchte.


Wertung: 70%

METACRITIC: 74%

+ wunderschöne, abwechslungsreiche Welt
+ tolle Multiplayer-Erfahrung
+ komplexes Crafting-System
+ herausfordernde Gegner
+ für jede Altersgruppe interessant


– wenig Komplexität / Spieltiefe
– kurze, sich wiederholende Dungeons
– Repetitives Combat-System
– eintönige, zu einfache Quests
– nur 3 Bosskämpfe
– Crafting-System z.T. sehr Grind-lastig

 

 

2 replies »

  1. Mir macht das Spiel bisher eine Menge Spaß. Vor allem, weil es mir so vorkommt, als gäbe es auf der Xbox nur so Spiele wie Halo, Forza und Fallout gibt und ich brauchte irgendein „Mädlesspiel“ 😀 Nur das mit dem Kampfsystem ist echt langweilig, da hast du sehr recht 🙂 Aber zum Runterfahren ist es super. Obwohl mich die Ladesequenzen kirre machen…

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