Gamerlife

„Lifestyle Games“: Spiele, die ein Teil unseres Lebens sind

Vor ein paar Tagen bin ich auf YouTube ganz zufällig auf den Terminus „Lifestyle Games“ gestoßen. Obwohl ich nun schon so lange Teil der Gaming-Community bin, war mir dieser Begriff vollkommen neu. Dabei beschreibt er ein Phänomen, das längst Einzug in mein eigenes Leben genommen hat: Spiele, die ein unabkömmlicher Teil meines Lebens und meines Alltags sind. Was sie alle gemeinsam haben und warum es so wichtig ist, sich über ihre Existenz im Klaren zu sein, möchte ich euch heute in meiner Gamerlife-Kolumne näher erläutern.


Ich kann nicht mehr genau sagen, in welchem Video das Wort „Lifestyle Games“ fiel und sofort meine Aufmerksamkeit erlangt hat. Alles was ich weiß ist, dass es ein Video zum neuen „Monster Hunter: World“ war – und, dass der Begriff etwas in mir zum Klingen brachte; ganz so, als hätte ich endlich einen Weg gefunden, etwas in Worte zu fassen, das ich bisher nicht beschreiben konnte.

Nach einigen Nachforschungen auf den unterschiedlichsten Seiten im World Wide Web bin ich dann auf ein ganz anderes Video gestoßen; eines, das endlich in der Lage war, mir den Begriff „Lifestyle Games“ etwas genauer zu erklären. Der YouTube Channel „Extra Credits“ hat es sich zu Aufgabe gemacht, Videospiel-Interessierten, aber vor allem auch Videospiel-Designern auf einfache, humorvolle und Comic-unterstützte Weise die unterschiedlichsten Phänomene der Gaming-Welt aufzubereiten und zu beleuchten. In diesem Beitrag möchte ich mich auf ihr Video zum Thema „Lifestyle Games“ beziehen und meine eigenen Überlegungen mit einbringen.


Was sind Lifestyle Games?

Einen der frühsten Hinweise auf den Begriff fand ich einem Brettspiel-Forum namens „BoardGameGeek“ von 2011. Darin erklärt der User p55carroll wie folgt:

A „lifestyle“ game (sometimes a „way of life“ game) is one that, [if] it were a car or a person, [it] might be called „high maintenance.“ It’s so involved, so time-consuming, that you’re going to face a long and perhaps steep learning curve; and then you’ll have to play regularly from then on to get a decent return on your investment. 

(Quelle)

Ein Lifestyle Game sei demnach eines, das für seinen Spieler nicht nur von großer Wichtigkeit ist, sondern auch eine hohe Anzahl an Spielstunden für ihn bereithält: Es ist zeitaufwendig und muss regelmäßig gespielt werden, um den Spieler von der steilen Lernkurve profitieren zu lassen, die es für ihn bereithält. Obwohl p55carroll hier „bloß“ von Brettspielen redet, lässt sich diese Definition auch sehr gut auf Videospiele ummünzen: League of Legends, Dota, Overwatch, World of Warcraft, Minecraft – all diese Spiele sind leicht zu lernen, aber nur schwer zu meistern und setzen ihre Spieler daher immer wieder vor neue Herausforderungen. Zeit, Geduld und Spucke sind wohl die wichtigsten Eigenschaften, die ein Spieler mitbringen sollte, der das Spiel bis zum letzten Pixel auskosten möchte. Und im Optimalfall wird er damit niemals fertig.

Das Video der Gruppe „Extra Credits“ ergänzt diese Einsicht ganz gut. Ob du dein persönliches Lifestyle Game gefunden hast, weißt du, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Du spielst es mehr als jede andere Spiel
  • Dein soziales Netzwerk bildet sich um dieses Spiel herum
  • Du liest und lernst darüber
  • Du redest mit deinen Freunden darüber
  • Du siehst anderen Spielern auf Twitch dabei zu, wie sie es spielen
  • Du findest Freunde im und über das Spiel
  • Du merkst, dass du weniger Zeit mit Freunden verbringst, die es nicht spielen
  • etc.

Dies sind nur einige Punkte, die im Video aufgezählt werden. Natürlich müssen nicht alle Punkte zutreffen, um ein Lifestyle Game als solches zu entlarven, doch anhand der der aufgezählten Punkte lassen sich gewisse Kriterien feststellen, die ein Spiel zu haben braucht, um für seine Spieler ein Lifestyle Game werden zu können.

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1) Der soziale Aspekt

Ein Lifestytle Game nimmt einen wesentlichen Platz in Deinem Leben als Spieler ein – und hat damit auch Auswirkungen auf dein soziales Umfeld: Es kann Dir dabei helfen, neue Freunde zu finden, indem es plötzlich zum gemeinsamen Gesprächsthema mit einem Bekannten wird, oder indem Du (online) andere Spieler triffst, mit denen Du regelmäßig zusammen spielst. Oder es gibt Dir und deinen schon vorhandenen Freunden eine Plattform zur regelmäßigen, abendlichen Routine. Es ist stets Gesprächsthema mit Deinen Freunden und scheint nur selten langweilig zu werden. Es ist ein virtueller Ort, an dem ihr euch treffen könnt, den ihr teilt und gemeinsam erlebt. Was ein „Lifestyle Game“ also braucht, ist ein Online Modus, der es seinen Spielern ermöglicht, sich untereinander zu vernetzen.

2) Der zeitliche Aspekt

Wenn ein Spiel zum „Lebenstil“ werden soll, reicht es jedoch nicht aus, wenn es seinen Spielern nur für eine begrenzte Zeit Content bieten kann. Ein Singleplayer-Spiel, das nach vierzig Stunden Spielzeit und dem Abspann keine weiteren Spielstunden mehr bereit hält, wird es schwer haben, im Leben seiner Spieler zum Lifestyle Game aufzusteigen (aber nicht unmöglich! Dem widme ich mich etwas später). Viele Online-Games sind daher prädestiniert dazu, Lifestyle Games zu werden, als andere. Egal ob MMO, MOBA oder Coop – unterschiedliche Genres bieten ihren Spielern auf unterschiedliche Weise immer wieder neue Inhalte. Ein MMO, das ein zeitintensives Endgame und regelmäßig neue Addons besitzt, hat also ebenso das Zeug zum Lifestyle Game wie ein MOBA, dessen ’neuer Content‘ und steigender Schwierigkeitsgrad vom stets wechselnden gegnerischen Spieler abhängt. Beide (hier beispielhaft gewählten) Genres zeichnen sich durch geradezu unerschöpflichen Content aus – sie bieten ihrem Spieler immer wieder neue Herausforderungen über einen langen Zeitraum hinweg. Auf diese Weise begleiten Lifestyle Games ihre Spieler im Alltag über Wochen, Monate oder auch Jahre hinweg und werden damit ein fixer Teil ihres Lebens.

3) Der Grad der Komplexität

Damit meine ich nicht, dass jedes Lifestyle Game kleinteilig und unfassbar komplex sein muss, denn viele Spieler fühlen sich von so etwas gerne mal eingeschüchtert. Vielmehr geht es darum, dass ein Lifestyle Game nicht zu einseitig und alternativenlos sein darf. Es braucht unterschiedliche Mechaniken, Taktiken, Strategien und Builds, die das Spiel für seine Spieler über längere Zeit hinweg und auch außerhalb des Spiels selbst interessant machen. Ob das nun unterschiedliche Waffentypen, Rüstungsboni oder Gadgets sind wie bei Monster Hunter: World, oder verschiedene Teamzusammenstellungen bei Overwatch, oder unterschiedliche Skillungen oder diverse Bossstrategien bei World of Warcraft – sie bieten dem Spieler etwas, in das er sich stundenlang einlesen und mit Genuss hineinfuchsen kann, wenn er das Maximum aus den Möglichkeiten herausholen will, die das Spiel ihm an die Hand gibt. Gleichzeitig sind diese Feinheiten für Anfänger, Neueinsteiger und ‚Casual Gamer‘ vernachlässigbar genug, um ihnen auch ohne lange Recherche via Twitch und Reddit eine schöne Zeit zu bescheren.

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Jeder Spieler ist anders

Nur weil ein Spiel all diese Kriterien erfüllt, heißt das noch lange nicht, dass es für jeden Spieler gleichermaßen zum Lifestyle Game werden muss. Jeder Spieler hat seine eigenen Vorlieben und oftmals entscheidet nur ein kleiner Teil des Spiels darüber, ob es einen Spieler so fesseln kann, dass es einen wesentlichen Platz in seinem Leben einnimmt. Während für es für den einen nichts Schöneres gibt, als mit Freunden durch die Wälder Azeroths zu streifen, wirft sich ein anderer viel lieber jeden Abend in ein Strategie lastiges Ranglisten-Spiel in DOTA oder League of Legends.

Es müssen auch nicht immer nur ausschließlich Online Spiele sein, die das Leben eines Spielers maßgeblich beeinflussen. Wer eine große Leidenschaft für ein bestimmtes Franchise (wie beispielsweise Dragon Age oder Die Sims, etc.) hegt, der macht daraus oft schon ganz von selbst einen Lifestyle. Diese Spiele lagern ihren kommunikativen Teil in externe Foren und Facebook Gruppen aus und schaffen es genauso wie Multiplayer-Spiele, ihre Spieler mit immer neuen Inhalten oder Storyanteilen zu beschäftigen.


Meine Lifestyle Games

Fast jeder Gamer, der regelmäßig zum Controller oder zu Tastatur und Maus greift, hat ein persönliches Lifestyle Game, in das er viel Zeit investiert und dass er mit vielen anderen Menschen teilt. Für mich zählen dazu auch Spiele, zu denen ich persönlich auch nach wochen- oder monatelanger Abstinenz wieder und wieder zurückkehre. Einfach weil sie einen großen Teil in meinem Leben ausmachen. Im Folgenden stelle ich euch nun meine persönlichen Lifestyle Games vor.

OVERWATCH

Eigentlich bin ich kein großer Freund von Shootern und ich habe mich ehrlich gesagt zunächst geweigert, mir Overwatch zuzulegen, als mein Freund mir dringend dazu riet. Nun spiele ich es mittlerweile seit knapp zwei Jahren fast jeden Abend (immer wieder mal mit Pausen) – eingestiegen bin ich, als das Spiel am 26. Mai 2016 erstmals in die Läden kam. Ein großer Teil meines Freundeskreises teilt diese allabendliche Leidenschaft mit mir – und so bietet Overwatch mir und meinen Freunden eine (virtuelle) Plattform, auf der wir tagtäglich interagieren und zusammen abhängen können (keine Sorge, wir treffen uns auch mal auf einen Kaffee!). Kaum ein Treffen bleibt ohne die immer wiederkehrenden Anekdoten aus unserem Overwatch-Spielalltag, den Austausch über die neusten Patches, Events oder kommenden Helden. Blizzard macht einen wahnsinnig guten Job, hält das Spiel nun schon lange mit Updates aktuell und beinahe jeden Monat gibt es neue Events inklusive Skins und abwechslungsreicher Spielmodi. Also, ja: Overwatch ist definitiv mein Lifestyle Game.

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© Blizzard

DIE SIMS (4)

Die Sims ist eines von den Spielen, die aus dem ‚klassischen‘ Lifestyle-Raster hinausfallen – es ist kein Multiplayer Spiel. Und doch gibt es kaum ein Spiel, über das ich mich tagtäglich so auf dem neusten Stand halte wie dieses. Eingestiegen bin ich übrigens mit der ersten Generation der Sims und bin bis heute aktiv dabei: Ich bin aktiv in Facebook-Gruppen, tausche mich mit Gleichgesinnten aus und kehre immer wieder zu den Sims zurück, auch wenn ich zwischenzeitlich immer mal längere Pausen einlege. Ich liebe Die-Sims-Let’s-Plays auf YouTube (Honigball, Gronkh und Deligracy!) und vertreibe mir damit die Zeit, wenn mein Alltag es zulässt. Die Sims ist – wie YouTuberin Deligracy in einem ihrer Videos so schön sagte – mein „Happy Place“ seit ich ein Kind bin und wird es auch in den kommenden Jahren immer sein (vorausgesetzt, Sims 5 wird keine Enttäuschung für einen eingefleischten Fan wie mich). Die Tatsache, dass ich das Spiel schon so lange, über Jahre hinweg immer wieder spiele und es mich so lange auf meinem Lebensweg begleitet, macht es für mich zu meinem ganz persönlichen Lifestyle Game.

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© Electronic Arts

Was denkt ihr zum Thema „Lifestyle Games“? Habt ihr ein persönliches Lifestyle Game in eurem Leben oder vielleicht sogar mehr? Verratet es mir doch in den Kommentaren!

2 replies »

  1. Hmm … meine „Lifestyle“-Games sind derzeit SWTOR, WoW und GTA Online – maßgeblich dadurch bestimmt, dass mein Freundeskreis diese Games auch (und mit mir) zockt und man eben gerne gemeinsam Stunden darin verbringt und Spaß hat 🙂 aber inzwischen bin ich nicht mehr so krass in Spiele versunken wie beispielsweise noch vor zehn Jahren. 🙂

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