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[Review] Super Mario Odyssey – Ein Klemptner, sein Hut und eine Reise / #PlatformFebruar

Mein Gott, was hasse ich Jump’n’Run-Games! Kaum ein anderes Genre lässt mich regelmäßig so in die Tischkante beißen wie dieses. Zum Glück aber gibt es jemanden wie mich Spiele, die den Herausforderungsgrad flexibel halten. Super Mario Odyssey war für mich das erste Mario-Game, das ich jemals ganz geschafft habe – und zugleich eine Augen öffnende Revolution des Genres für mich.


Super Mario Odyssey

Genre: Jump’n’Run / Platformer
Plattform: Nintendo Switch
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2017
Entwickler: Nintendo
Publisher: Nintendo
Sprache: Deutsch u.A. [Schrift]
Preis: 44,99€

Hier geht’s zum Spiel…


Eine ungleiche Hochzeit

Auch dieses Mal beginnt der neue Super-Mario-Teil mit einer welterschütternden Katastrophe: Der fiese Schildkröterich Bowser hat Prinzessin Peach entführt und zwingt sie nun gewaltsam dazu, ihn zu heiraten. Zu diesem Zweck bereist er mit seinem fliegenden Flag-Schiff die unterschiedlichen Welten des Mario-Universums und stiehlt sich alles zusammen, was für die Zeremonie benötigt wird, egal ob Brautkleid, Hochzeitstorte oder Blumenstrauß. Natürlich kann Mario die holde Maid nicht ihrem Unglück überlassen – doch bei seinem ersten Versuch, Peach aus den Fängen des Bösewichts zu befreien, kann Bowser ihn vom Schiff stoßen und damit außer Gefecht setzen. Zum Glück besitzt unser Held jedoch außerordentliche Fähigkeiten, dem Schaden zu entgehen, den ein solcher Sturz für jeden anderen zur Folge hätte, und so landet er kurzerhand in Hutland bei Zylindrien: Die Heimatstadt seines neuen Freundes Cappy, der ihn auf seiner Rettungsmission gerne unterstützt, weil Bowser auch Cappys Schwester Tiara, die als Peaches Brautschleier gebraucht wird, ebenfalls entführt hat.

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© Nintendo

So banal die Story auch scheinen mag, sie ist der perfekte Grund für Mario, sich durch sämtliche der zunächst 14 Welten zu hüpfen, rollen und rätseln, um Bowser aufzuhalten und die ungleiche Hochzeit zu verhindern. Ein absoluter Pluspunkt war für mich die Endsequenz, in der sich Peach (vermutlich erstmals in ihrer Laufbahn als Jungfrau-in-Nöten) plötzlich als gar nicht mehr so hilflos entpuppt – und sich stolz gegen die männlichen Avancen emanzipiert. Schon allein diese kleine aber feine Entwicklung der Prinzessin, die sonst ewiges Objekt der Begierde zu sein schien, war für mich Belohnung genug, das Spiel durchgespielt zu haben. Danke dafür!


Monde für die Odyssey

Auf unserer Reise benötigen wir eine Sache ganz besonders: ein treues Fluggefährt, das uns an all die Orte bringt, an denen Bowser seine bösen Machenschaften treiben könnte. Cappy verhilft uns dafür schon recht früh im Spiel zu einer Flugmaschine namens ‚Odyssey‘, die in ihrer ursprünglichen Form einem Hut mit einem Ballon an der Spitze gleicht. Durch einen gefährlichen Absturz verliert die Odyssey jedoch ihre einstige Stärke und muss nach und nach repariert werden, damit Bowser uns nicht abhängen kann. Zu diesem Zweck sammeln wir auf unserer Reise sogenannte ‚Power-Monde‘, die sich überall versteckt (oder nicht versteckt) in den Welten finden lassen; und für deren Erhalt wir oftmals ganz schöne Strapazen und knifflige Rätsel auf uns nehmen müssen. Betreten wir eine Welt wie etwa das Polarland oder das Cityland, müssen wir zuerst eine bestimmte Anzahl an Monden auftreiben, damit die Odyssey genug Energie hat, um überhaupt weiterfliegen zu können. Wie viele Monde das sind, sehen wir am linken oberen Bildschirmrand – die Zahl variiert je nach Größe der Welt zwischen fünf und fünfzehn Monden. In der Regel lassen sich jedoch noch wesentlich mehr Monde in einer Welt finden, somit ist es nicht gezwungenermaßen notwendig, sie alle zu finden, um weitermachen zu können.

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© Nintendo

Bald entpuppt sich das Monde-Sammeln jedoch als ein so großer Spaß, dass man am liebsten gar nicht darauf verzichten möchte, sie alle zu sammeln. Die Schwierigkeit, sie zu erhalten, ist von Fall zu Fall unterschiedlich; manchmal versteckt sich einer hinter einer unauffälligen Ecke, für einen anderen müssen wir ein schwieriges Zeiträtsel machen oder ein Minispiel schaffen. Andere können wir für Münzen im Shop kaufen. Finden wir eine der berühmten grünen Röhren, in die sich Mario hineinducken kann, um einen versteckten Raum zu betreten, finden wir dort absolut immer zwei Monde – den ersten nach Abschluss des Rätsel-Raums und den zweiten irgendwo in ihm versteckt. Es lohnt sich also definitiv, sich immer gut umzuschauen. Am Anfang war mir die Sucherei noch ein ziemlicher Dorn im Auge, was vor allem daran lag, dass ich selbst kein besonders geschickter Mensch bin. Doch mit fortschreitender Erfahrung und etwas Übung fand ich sehr schnell gefallen an der Herausforderung, die die Mond-Rätsel für mich parat hatten. Das ganze Spiel hindurch wiederholen sich die Rätsel nur hin- und wieder ganz selten mal, sodass man eigentlich ständig gefordert ist, sich möglichst gründlich umzuschauen. Nur in einzelnen Fällen überforderten mich ein Rätsel so, dass ich es frustriert aufgab – mein Ärger hielt dann auch nicht lange an, denn der nächste Mond ist nicht weit!

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© Nintendo


Ein Held, der alles sein kann

Nagut, zumindest fast alles. Dabei behilflich sein kann unser Freund Cappy, Marios neuer Mützen-Freund, der sich selbst nicht nur selbst in jedwede Form der Kopfbedeckung verwandeln kann, sondern auch dafür sorgt, dass Mario sich in die unterschiedlichsten Monster und Gegenstände verwandeln kann. Dazu müssen wir Cappy bloß auf besagtes Objekt werfen – und schon verwandeln wir uns in eine Mario-Version desselben, inklusive Schnurrbart und Cappy. Welche Form wir annehmen können, hängt davon ab, welche Monster und Gegenstände wir gerade finden können – und in der Regel sind diese dann auch mit einem Mond-Rätsel verknüpft. Denn jede Form hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Als Gumpa haben wir beispielsweise rutschfeste Sohlen und können uns schlitterfrei auf Eisflächen bewegen. Außerdem können wir uns mit anderen Gumpas stapeln und so höher gelegene Plattformen leichter erreichen. Allerdings sind wir sehr langsam und klobig und haben keinen Angriff, um uns gegen potenzielle Bedrohungen zur Wehr setzen zu können.

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© Nintendo

Besonders lustig wird es dann, wenn wir bemerken, dass wir uns nicht nur in normale Monster, sondern auch banale Dinge wie einen Stein verwandeln können, um unser ziel zu erreichen. Oder sogar in einen mächtigen Tyrannosaurus Rex, der gleich in der ersten Welt schnarchend darauf wartet, dass wir seine Zähne und Klauen benutzen, um lästige Gesteinsformationen zu beseitigen. Zwar können wir uns nicht in jeden einzelnen unserer Gegner verwandeln, doch die ausgewählten Fälle, in denen Cappy uns dies ermöglicht, tragen unfassbar viel zur Optionsvielfalt des Spiels bei und lassen so gut wie nie Langeweile aufkommen. Vom Flugdinosaurier zum Panzer bis hin zum geladenen Teilchen in einer Stromleitung variieren die Möglichkeiten bis hin zur spaßigen Absurdität.


Bowser und seine Handlanger

Während wir also auf der Suche nach Monden die unterschiedlichsten Rätsel lösen und die einmaligsten Formen annehmen, stellen sich uns auch immer wieder Bosse in den Weg, um uns das Leben möglichst schwer zu machen. Während es in jeder Welt einen individuellen Boss gibt, der sich an ihrem Thema orientiert (im Küstenland ist es beispielsweise ein riesiger, knubbeliger Tintifax) und die Mechaniken nutzt, die man dort gelernt hat (im Küstenland verwandeln wir uns in einen kleinen, wasserspeienden Tintifax), gibt es außerdem Bowsers hasenzahnige Handlanger, die sich uns in den Weg stellen: die Broodals. Die vier überdimensionierten Nagetiere besitzen alle ihre eigenen Strategien und verwenden dabei fast immer einen (polymorphenden) Hut wie Cappy, der nicht selten auch ihre Schwachstelle darstellt.

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© Nintendo

Eine Ausnahme bildete Madam Broode mit ihrem Haustier-Kettenhund, die als fünfte im Bunde und Kopf der Bande eine ganz andere Strategie verfolgt. Im Gegensatz zu ihren vier Verwandten taucht sie nur zwei Mal im Spiel auf – die anderen vier stellen sich Mario insgesamt drei Mal in den Weg. Und hier findet sich auch einer meiner größten Kritikpunkte am Spiel: Nicht nur, dass die Bosskämpfe an sich viel zu einfach zu bestreiten sind, nein, mit den Broodals werden sie auch noch repetitiv. Klar, mit Voranschreiten des Spiels erhöht sich auch ihr Herausforderungsgrad, doch die Strategie, mit der man jeden einzelnen von ihnen bezwingen kann, bleibt im Grunde immer gleich. Und schließlich brauchen sie nur drei gut getimete Hits und schon hat man sie – im wahrsten Sinne des Wortes – in den Boden gestampft. Auf diese Weise fühlen sich die einzelnen Bosse eher an wie das immer-wiederkehrende Team Rocket, statt wie eine knifflige Herausforderung. Ein bisschen mehr Varianz oder ein paar mehr Broodals hätten dem Spiel auf jeden Fall gut getan, um dem Spieler das Gefühl eines wichtigen Erfolgs nach Abschluss des Bosskampfes zu geben. Aber vielleicht hätte das wiederum zu sehr am Rädchen der Altersbeschränkung gedreht.

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© Nintendo


Peach-Retten im Mehrspielermodus

Einen Mehrspieler-Modus bei einem klassischen Super Mario? Das gab es nur zu Luigis Zeiten! Statt Marios grün gekleideten Bruder steuern wir in Super Mario Odyssey allerdings Cappy, Marios Mützenfreund. Cappy kann zwar weder springen, noch sich weiter als ein paar Meter von Mario entfernen, doch kann er angreifen, rotieren und dem Klemptner auf ganz unterschiedliche Weise behilflich sein: Als Trampolin bringt er Mario in ungeahnte Höhen und verschafft ihm ganz nebenbei noch eine neue Gestalt, wenn wir ihn auf übernehmbare Gegner oder Gegenstände zusteuern. Das Ganze benötigt gerade am Anfang eine Menge Übung, um die notwendige Koordination aufzubringen, überhaupt etwas zustande zu bringen. Hat man den Dreh jedoch einmal raus, bewegt man sich im Teamwork mindestens so gut durch die Welten wie allein. Doch für mich hatte der Multiplayer auch etwas von einem bitteren Wermutstropfen: Mario und Cappy sind nämlich schon im Einzelspieler-Modus als absolute Einheit konzipiert. Der eine ist ohne den anderen nichts – Mario kann nicht angreifen (außer vielleicht springen), kann keine hohen Wände erklimmen und alleine auch keine anderen Formen annehmen. Cappy dagegen kann sich nicht frei bewegen, nicht springen und ist, sobald Mario eine andere Form angenommen hat, bewegungsunfähig und darf dem Mario-Spieler geduldig dabei zusehen, wie er versucht, das Richtige zu tun. Beide Rollen fühlen sich unvollständig und nicht wirklich gleichwertig an; es kommt immer wieder vor, dass der eine sich ‚langweilt‘ oder kluge Ratschläge verteilt, während der andere gerade einen aktiven Part bei der Rätsellösung spielt. Einen Luigi mit Cappy-Klon als zweiten Spieleravatar einzuführen wäre für mich auf jeden Fall die gewünschte Alternative gewesen, damit jeder Spieler sich unabhängig voneinander umschauen und agieren kann. Inwieweit man die beiden Figuren dann noch von einander abhängig machen könnte, weiß ich allerdings auch nicht…

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© Nintendo


Qualität der Marke Nintendo

Das klingt jetzt vielleicht fast reißerisch – und ich betone hier nochmal, dass es sich um meine ganz persönliche Meinung handelt -, aber als alter Nintendo-Fan muss ich ehrlich sagen, dass mich die gute Qualität des Spiels absolut nicht überrascht. Und damit meine ich jetzt nicht nur die soeben beschriebenen Gameplay-Elemente, die das Jump’n’Run-Genre auch für ungeschickte Spieler wie mich wieder attraktiv machen, sondern auch den technischen und den grafischen Bereich des Spiels. Super Mario Odyssey ist einfach ein absolut wunderschönes Spiel mit knalligen Farben, fantasievollen Formen und Wesen sowie einer geradezu makellosen Grafik mit weichen Konturen und stimmungsvoll designten Welten. Kein anderer Publisher hat es meines Wissens nach kontinuierlich so durchgehalten, ein derart bugfreies Spiel-Erlebnis zum Start hinzulegen wie Nintendo. Und im Falle eines Spielfehlers werden die benötigten Patches schnell und ohne viel Aufsehen nachgereicht. So kommt es, dass mir in den ganzen 50 Stunden, die ich in Super Mario Odyssey verbracht habe, nicht ein einziger Bug über den Weg gelaufen ist; nicht einmal ein Ruckler, nicht einmal ein Lag oder eine schlecht sitzende Textur. In diesem Spiel steckt mindestens so viel Liebe und Detailarbeit wie Kreativität, Fantasie und Respekt für ihre Kunden.


Wertung

In Super Mario Odyssey wird einem niemals langweilig. Nicht nur lauert hinter jeder Ecke ein neues Rätsel, ein Minispiel oder gleich ein ganzer Power-Mond, es gibt auch unglaublich viel zu sehen, und eine Menge lustiger Gimmicks zu entdecken. Es ist absolut faszinierend wie vollgepackt die einzelnen Welten sind und wie wenig verloren man sich dennoch fühlt. Das Gameplay funktioniert absolut intuitiv und lädt dazu ein, alles auszuprobieren. Die Rätsel wiederholen sich kaum, und wenn, dann so gut variiert, dass es einem kaum auffällt. Das Spiel ist gespickt mit Minispielen wie der stets wiederkehrenden Lotterie oder dem Schlotterrennen auf der Schneewehenpiste und bietet sogar die Möglichkeit, seinen Mario ganz nach Belieben neu einzukleiden, sollte man plötzlich das Gefühl haben sich anpassen zu wollen. Der Herausforderungsgrad der Rätsel ist genau so abgestimmt, dass es für Jung und Alt, für Vielspieler und Gelegenheitsspieler gleichermaßen spaßig ist, sie zu lösen und hält nur an wenigen Stellen ein bisschen Frust bereit, um nicht allzu leicht zu lösen zu sein. Ganz anders als die Bosskämpfe, bedauerlicherweise, die keine große Hürde darstellen, sobald man den Dreh einmal raus hat. Besonders die Broodals, die mit der selben und nur leicht abgeänderten Strategie wieder und wieder auftauchen, waren für mich eher ein Nerv-Faktor, als eine tatsächliche Herausforderung. In Anbetracht der sonst einfach atemberaubenden Erfahrung, die unterschiedlichen, bunten, detailreichen Welten zu besuchen, Rätsel zu lösen und dabei nie einem einzigen Bug begegnet zu sein, ist das allerdings nichts anderes als Jammern auf hohem Niveau.

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© Nintendo


Wertung: 95%

+ riesige, bunte, abwechslungsreiche Spielwelt
+ herausfordernde Rätsel
+ Rätsel immer innovativ, wiederholen sich selten
+ viele Gimmicks, Entdeckungen, Easter-Eggs
+ spaßige, variierende Mechaniken (Übernehmen-Fähigkeit)
+ viele, lustige Minigames
+ Herausforderung für jede Art von Spieler/in angemessen
+ so gut wie bugfrei (ohne Gewähr)
+ Peach’s Emanzipation!


– Bosskämpfe zu leicht und z.T. redundant (Broodals)
– Multiplayer nur mittelmäßig spaßig

 

1 reply »

  1. Schöner Artikel! Hätte ich eine Switch, würde ich das Spiel auf jeden Fall spielen. 🙂

    Hast du damals Super Mario Galaxy auf der Wii gespielt? Für mich, der Odyssey eben noch nicht gespielt hat, bisher der beste Mario 3D Platformer. Galaxy hat mir eine Menge Spaß bereitet, auch wenn der Mehrspieler auch hier ziemlich mau war. Der zweite Spieler konnte lediglich mit einem Cursor Sternenteile einsammeln… Das schreit immer nach: „Mein kleines Geschwisterchen bekommt die Deppenaufgabe, während ich den richtigen Spaß habe…“
    Dass die Bosskämpfe keine Herausforderungen sind, wundert mich überhaupt nicht. War in Mario noch nie anders.

    Viele Grüße 🙂

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