Games Review

[Review] Life is Strange: Before the Storm – Meine Gedanken zu Episode 2

Wer mich verfolgt hat, der weiß, dass ich mit Episode 1 des Life is Strange Prequels von Entwicklerstudio Deck Nine nicht allzu zufrieden war. Für einen gelungenen Auftakt fehlte es an Spannung, Rachel kam bei mir gar nicht gut an und es es gab mir einfach zu wenige wichtige Entscheidungen. Episode 2 erfindet das Rad dahingehend nicht neu, aber es schlägt sich schon besser.

Story

Ich werde versuchen, hier so spoilerfrei wie möglich zu sein. Während Episode 1 noch relativ seicht vorantrabt und hauptsächlich alte (und ein paar wenige neue) Charaktere in Feld führt, nimmt Episode 2 relativ schnell fahrt auf. Das ist auch gut so, schließlich haben wir in LiS: Before the Storm nicht wie im Vorgängerteil 5 sondern nur 3 Episoden Zeit, eine stimmige Geschichte erzählt zu bekommen. Die mittlere Episode sollte also einen gewissen Höhepunkt markieren, um die Spieler bei Laune zu halten. Und tatsächlich kommt dieses Mal für Chloe alles Schlag auf Schlag: Schuldirekt Wells ist mit ihrem ausfälligen Verhalten nicht zufrieden, und so müssen sich Chloe und Rachel für ihren waghalsigen Ausflug im Direktorenzimmer verantworten. Außerdem steht auch noch die Schultheater-Aufführung des Stücks „The Tempest“/“Der Sturm“ aus, in dem Rachel eine Hauptrolle hat. Schließlich gerät Chloe durch ihren Drogendealer Frank in eine so missliche Lage, dass es sie Kopf und Kragen kosten könnte.

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© Deck Nine, Square Enix

Das Ende der Episode wartet mit einem gelungenen Plottwist bzw. Cliffhanger auf, der von der Qualität her sehr stark an die aus seinem Vorgänger erinnert und endlich wieder das Gefühl hervorruft, unbedingt wissen zu müssen, wie es weitergeht. Ein bisschen zusammenhangslos fühlten sich die verschiedenen Probleme einer Chloe Price schon an: Während Original Life is Strange einem mit einem deutlichen roten Faden das Gefühl gibt, alles, wirklich alles liefe auf ein größeres Ganzes hinaus, scheint es hier ausschließlich um Charakter-Building zu gehen, nicht darum, eine größere Geschichte zu erzählen. Ob und in wie weit die aufgebauten und fallengelassenen Fäden der zwei bereits erhältlichen Episoden letztlich zusammenführen, bleibt bis zur Fortsetzung leider offen.

Charaktere

Die Charaktere in Life is Strange waren immer schon eine wahre Freude. Auch wenn Chloe von Zeit zu Zeit nerven kann – sie ist ein „kaputter“ Teenager, so läuft das eben -, so kann man doch nicht umhin, sie mit der Zeit einfach lieben zu lernen. Sie ist wie ein Elefant im Porzellanladen, verängstigt aber kampfbereit, niemals in der Lage, aufzugeben, weil ihr Stolz es niemals zulassen würde. Ich liebe Chloe wirklich von Herzen und sobald mir das Spiel die Entscheidung lässt, wie sie sich jemandem gegenüber verhält, weiß ich genau, welche Entscheidungen die ihren wären (für mich. Jeder entscheidet für sich selbst, wer Chloe ist). Doch ihre jugendliche Naivität ist es, die sie in die schlimmsten Schwierigkeiten bringen kann – und die sie ein leichtes Opfer für die Manipulation anderer werden lässt.

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© Deck Nine, Square Enix

Rachel ist so jemand, der die Puppen gerne nach ihre Fäden tanzen lässt. Auch wenn sie in dieser Episode wesentlich menschlicher und für mich nachvollziehbarer rüberkam, werde ich doch bis jetzt das Gefühl nicht los, dass sie ganz genau weiß, welche Macht sie über die Menschen in ihrem Umfeld hat. Welche Macht sie über Chloe hat. Rachel ist es gewöhnt, dass die Menschen nach ihrer Pfeife tanzen, aber sie ist es nicht gewöhnt, eine wahre Freundin zu haben. Dieses zarte Gleichgewicht zwischen Freundschaft und Sklaverei, das zwischen Rachel und Chloe herrscht, schwankt mal zu einen, mal zur anderen Seite und lässt einen dabei niemals sicher sein, ob Rachel aus reiner Berechnung oder wider besseren Wissens handelt. Sie ist ein sehr spannender Charakter, aber sie ist mir nicht geheuer – und ich kann mir einfach keinen Reim darauf machen, was sie mit Chloe vorhat.

Gameplay

Auch in dieser Episode habe ich sie wieder schändlich vermisst: Die Fähigkeit von Max, die Zeit zurückzudrehen, war nicht nur ein spannendes, übernatürliches Element, es half den Entwicklern auch dabei, mithilfe dieses Features spannende Rätsel und nervenaufreibende Situationen aufbauen zu können. Ohne dies, spielt sich LiS: Before the Storm noch weniger wie ein Spiel als sein Vorgänger, sondern eher wie ein interaktiver Film. Auch wenn sich der Rest des Gameplays kaum vom Original-LiS unterscheidet, fühlt es sich ohne die Zeitreisen eingeschränkter an, die „Level“-Abschnitte fühlen sich linear und schlauchig an, die meisten zu betrachtenden Dinge haben keinen wirklichen Sinn für die Geschichte (ja, ich gebe mir immer Mühe mir alles anzusehen und anzuhören, was Chloe zu sehen oder zu sagen hat) und im World-Building auch nur dann irgendwie interessant, wenn man den Vorgänger-Teil kennt, um mögliche Anspielungen verstehen zu können.

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© Deck Nine, Square Enix

Die zwei bis drei Rätsel, die diese Episode zu bieten hat, sind wenig herausfordernd – nein, eigentlich sind sie viel zu leicht -, um wirklich als Gameplay-Feature zu zählen. Und die Dialoge sind zwar gut inszeniert, wunderbar emotional synchronisiert und passen gut in die Story, halten aber wenige Wahlmöglichkeiten bereit. Meistens läuft alles auf eine letzte Antwort hinaus, nur in seltenen Fällen lässt sich zwischen zwei unterschiedlichen Umgangstönen wählen. Mein Highlight auch hier wieder: Das Konfrontations-Feature, mit dem man Leuten in einer Art Mini-Spiel die Stirn bieten kann, ist ganz spaßig, hat man jedoch den Dreh einmal raus, ist auch dieses keine Herausforderung mehr. Die Story-Entscheidungen, die wir für Chloe treffen, und die auch wirklich Auswirkungen auf den Verlauf der Story haben, sind rar gesät. Die paar, die es gibt, fühlen sich nicht schwerwiegend genug an, um den Spieler minutenlang in einem Raum auf und ab tigern zu lassen. Hier hätte einfach mehr herausgeholt werden können.

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© Deck Nine, Square Enix

Wertung

Episode 2 hat mir wesentlich besser gefallen, als die erste. Das Gameplay mag zwar die selben Schwächen haben, die ich vorher schon bemängelt habe, doch storytechnisch und in Hinblick auf die Entwicklung der beiden Hauptfiguren Chloe und Rachel legt die neue Episode kräftig nach. Wir werden von einer in die andere kritische Situation versetzt und verstehen verstehen Chloes Hilflosigkeit im Leben plötzlich viel besser. Wäre LiS: Before the Storm ein Film, hätte ich kein Problem damit, welchen Gang die Geschichte nun geht. Doch  zwei bis drei schwachen Rätsel und die schrecklich unbedeutenden anklickbaren Gegenstände, die mehr nerven und das Gefühl verschwendeter Zeit vermitteln, sowie die wenig entscheidungsträchtigen Dialoge waren für mich einfach zu wenig, um LiS: Before the Storm zu einem guten Spiel zu machen. Ich kann meine Liebe zu den Charakteren und der Welt, meine Melancholie in Bezug auf den ersten Teil, nicht als Entschuldigung dafür hervorkehren, dass das Spiel gameplaytechnisch schwach ist. Ich habe mich an manchen Stellen sogar dabei erwischt, wie ich mich langweilte, während ich die Schauplätze nach irgendwas Spannendem abklapperte, bevor ich mit der Story fortfuhr. Und das ist gar nicht gut.

Wertung: 65%

Metacritic: //

+ Story nimmt stark an Spannung zu
+ knackige Dialoge
+ toller Soundtrack
+ überraschende Wendung


– zu wenige Dialog-Entscheidungen
– zu leichte Rätsel
– schrecklich unbedeutende, anklickbare Gegenstände fühlen sich wie Zeitverschwendung an
– sehr linear aufgebaut

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