Games Review

[Review] Divinity: Original Sin 2 – AKT 1

Divinity ist zurück – größer, besser, göttlicher!

Drei Jahre nach ihrem großen Game-of-the-Year-Erfolg Divinity: Original Sin holen Larian Studios ihr nächstes großes Eisen aus dem Feuer. Der zweite Teil des Rollenspiel-Epos konnte mich bereits nach Akt Eins der Geschichte dermaßen überzeugen, dass ich zurzeit an kein anderes Spiel denken mag.

Inhalt

  • Die Charaktererschaffung
  • Die Welt
  • Gameplay und Combat
  • Multiplayer
  • Wertung

Die Charaktererschaffung

Bevor das Abenteuer losgehen kann, bietet jedes gute Rollenspiel seinen Spielern eine ausgewogene, detailreiche aber nicht allzu komplizierte Charaktererschaffung, damit der Spieler eine erste Bindung zum Spiel aufbauen kann. Wer genießt es nicht, sich selbst oder einen sich selbst ähnlichen Charakter zu erschaffen, und mit diesem heroische Abenteuer in noch fremden Welten zu bestreiten? D:OS2 löst diese Aufgabe gut und pragmatisch: Die Individualisierungsmöglichkeiten sind nicht allzu vielfältig, aber ausreichend für jemanden wie mich, der viel Zeit mit der Erschaffung eines Charakters verbringt. Zur Auswahl stehen insgesamt vier Rassen, Mensch, Elf, Zwerg und Echsenvolk, sowie diese vier Rassen nochmals in untoter Form.

СС_Customize-Fem_Lizard01

© Larian Studios

Hautfarbe, Gesicht, Haar, Haarfarbe, Gesichtsdetails und Stimme können äußerlich individualisiert werden, je nach Rasse ist jedoch die ein oder andere Kategorie verfügbar oder nicht. Es gibt nur 4-5 verschiedene Stimmen, die für alle Rassen gleichermaßen auswählbar sind, was etwas schade ist. Das Voiceacting ist dafür aber immer on-point.

Weiter geht es mit der Auswahl der bevorzugten Klasse. Hier gibt es geradezu unerschöpfliche Möglichkeiten, den Charakter nach eignen Vorstellungen auszustatten. Es gibt einige Presets, die bereits bekannte Klassen wie Waldläufer, Kampfmagier oder Schurke umfassen, doch es gibt auch etliche Hybrid-Sets: Schurke mit Hexenmeister-Fertigkeiten, Gestaltwandler mit Kriegerfertigkeiten etc. Doch diese sind keinesfalls bindend. Nach getroffener Wahl bleibt einem immer noch die Möglichkeit offen, seinem Schurken Gestaltwandler-Fertigkeiten und vielleicht ein paar Magierzauber zu geben. Dies setzt sich auch im eigentlichen Spiel fort: Bei jedem Level-Up bleibt es einem selbst überlassen, wie man seinen Charakter am liebsten skillen möchte.

Anschließend können Talente wie Überreden, Diebstahl, Schleichen etc. ausgewählt werden. Diese sind außerhalb des Kampfes und im Umgang mit NPCs in der Regel äußerst wertvoll. Den letzten Schliff erhalten die Charaktere durch die sogenannten ‚Tags‘, die vergleichbar mit Charaktereigenschaften Einfluss auf die spätere Dialogauswahl hat.

CC_Tags_Scholar02

© Larian Studios

Obwohl ich eigentlich kein großer Freund von Zombies und Untoten bin, haben es mir die Untoten besonders angetan, denn sie unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern auch gameplaytechnisch vom Rest der verfügbaren Rassen. Um unter den Lebenden nicht erkannt zu werden, müssen sie Masken tragen, um ihren Zustand zu verschleiern, sie nehmen Schaden durch Heilung und heilen sich durch Gift. Außerdem können sie mit ihren Skelettfingern beinahe jedes Schloss knacken. Zu Beginn kann es kompliziert sein, einen Untoten in der Gruppe dabei zu haben, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran, immer einen giftschleudernden Geomanten dabeizuhaben.

Die Welt

Wir befinden uns, ebenso wie im ersten Teil, in Rivellon, einer Welt, die stets und immer wieder von Kriegen und Zwistigkeiten erschüttert wird und dabei nicht selten in Bedrohung gerät, von der sogenannten Leere (Void) verschlungen zu werden. In dieser Welt, die erneut kurz vor ihrem Untergang steht, machen wir als angehender Held unsere ersten Schritte. Als Quellenmagier nutzen wir mit unseren Charakteren unseren Zugang zur Quelle (Source), einer mächtigen aber auch verderbnisbedrohten Form der Magie. Die Anwendung von Quellenmagie kann dazu führen, dass sich die Leere vom jeweiligen Anwender angezogen fühlt und unaussprechliche Schrecken hervorbringt. Aus diesem Grund werden wir zu Beginn des Spiels festgenommen und unsere Quellenmagie mithilfe eines magischen Halsbands zum Schweigen gebracht. Gemeinsam mit anderen Quellenmagiern werden wir zur Freudenfeste gebracht, wo wir den Rest unseres Daseins verbringen sollen, fernab von den eigentlichen Geschehnissen auf Rivellon.

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© Larian Studios

Die Welt von Rivellon, wie sie sich uns schon in den ersten 20 Spielstunden präsentiert, ist unsagbar komplex und scheinbar unausschöpflich. Über 1000 NPCs wurden vertont, um der Welt Leben einzuhauchen. Auch nach dem dritten Mal anfangen fühlt es sich so an, als hätte man noch längst nicht alles gesehen oder gehört, noch nicht alle verschiedenen Möglichkeiten, mit Quests umzugehen oder Dialoge zu führen, ausprobiert, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen Charaktereigenschaften und variierenden Fähigkeiten der Charaktere liegt.

Insgesamt sechs verschiedene Charaktere können in die eigene Party aufgenommen werden – Platz haben wir allerdings nur für 4, das heißt wir müssen gut auswählen. Jeder mögliche Begleiter kann jede mögliche Klasse annehmen, sobald man ihn das erste Mal rekrutiert, danach ist er auf diese Klasse fixiert und kann nicht umgeskillt werden (außer etwas später im Spiel mithilfe eines Spiegels). Auf diese Weise ist man nicht daran gebunden, einen speziellen Begleiter immer dabei zu haben, nur weil dieser ausschließlich und der einzige verfügbare Tank-Begleiter ist.

Inventory

© Larian Studios

Der Umgang mit den Begleitern ist dabei ebenso dynamisch wie mit anderen NPCs, mit der Ausnahme, dass uns hier die Möglichkeit gegeben wird, eine Romanze mit einem (oder mehreren?) von ihnen einzugehen. Dies freut mich ganz besonders, bin ich doch seit Dragon Age: Origins ein riesiger Fan solcher Charakterinteraktionen. Inwieweit der NPC (oder Begleiter) auf euch reagiert ist dabei abhängig von der jeweiligen Sympathie, die er für euch hegt und die sich im Verlauf unterschiedlichster Gespräche ändern kann.

Gameplay und Combat

Das Spiel spaltet sich eigentlich in zwei unterschiedliche Spielkonzepte: einerseits das Erkunden der Welt und andererseits den rundenbasierten Kampf. Die Welt bietet unzählige Geheimnisse, kleinste und größte Rätsel, versteckte Hinweise und Details, die man auch beim dritten Spieldurchlauf noch gerne mal übersieht. Die Dialogoptionen variieren je nach Charakter und Situation und machen es unfassbar verlockend, das Spiel immer wieder neu für sich zu entdecken. Man sei jedoch gewarnt: Es wird viel geredet und manchmal ist es wirklich viel zu lesen (bzw. zu hören, sollte man der englischen Sprache mächtig sein, denn die Sprachausgabe ist noch nicht auf Deutsch verfügbar). Für Spieler, die lieber auf den actionreichen Teil des Spiels wert legen, kann das manchmal Geduld und Konzentration auf die Probe stellen.

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© Larian Studios

Das Kampfsystem erweist sich dabei in seinen Möglichkeiten fast ebenso unerschöpflich wie die Interaktion mit der Spielwelt: Durch die unzähligen Möglichkeiten, seine Charaktere mit den verschiedensten Fähigkeiten und Skills auszustatten, bieten auch die verrücktesten Kombinationen eine Möglichkeit, die zum Teil harten, zum Teil nicht so herausfordernden Kämpfe zu bestreiten. Doch wie in fast allen Rollenspielen, egal ob Online-Multiplayer oder Singleplayer, gilt: Spezialisierung > Hybrid. Logischerweise wird ein Voll-Stärke-Kriegsmeister mehr Schaden machen als ein Stärke-Intelligenz-Hybrid-Charakter wie beispielsweise der Kampfmagier. Dafür sind seine Möglichkeiten natürlich auch begrenzter. Es macht auf jeden Fall riesigen Spaß, sich mit immer neuen Klassen und Skillungen auseinandersetzen – und dabei ist sowohl für Casual Player als auch für begeisterte Min-Maxer etwas dabei.

Einen wesentlichen Teil des Kampfsystems bildet der Umgang mit den Elementen, der ebenso wie im Vorgänger von äußerster Wichtigkeit ist. Feuer entflammt Gift und Öl, Wasser und Blut lassen sich elektrisch aufladen oder einfrieren, um entweder zu stunnen oder Rutschgefahr zu verursachen. Als Elementarmagier in einer sonst nahkampflastigen Truppe macht man sich also nicht besonders beliebt, wenn man den Gegner mit Feuer abschießt und dabei versehentlich seine Gruppenmitglieder in Brand steckt. Das Elementarsystem bietet nicht nur viele verschiedene Möglichkeiten, seinen Gegner – oder wahlweise seinen Gruppenmitgliedern – Schaden zuzufügen, es ist in vielerlei Hinsicht auch manchmal einfach nur nervig. Seien wir ehrlich.

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© Larian Studios

Eine große Auswahl bei den möglichen Schwierigkeitsstufen gibt es übrigens leider nicht, hier bietet das Spiel nur ‚Normal‘ und ‚Leicht‘ zur Auswahl. Auf Normal sind die Kämpfe auf jeden Fall bestreitbar und in Akt 1 nicht allzu herausfordernd, vorausgesetzt, man versucht nicht, mit Level 2 gleich die ganze Freudenfeste niederzumähen. Das Spiel lässt einem alle Freiheiten, die Welt nach eigenem Ermessen und eigener Geschwindigkeit zu erkunden, die Level der Gegner sind jedoch die einzigen Restriktionen, die einem hierbei gegeben werden. Wenn ein Gegener noch zu stark ist, muss man eben später wiederkommen.

Multiplayer

Ich persönlich habe das Spiel bislang nur im Multiplayer ausprobiert, da es einfach schöner ist, die Welt zu mehreren zu erkunden, als allein. Das gilt jedoch auch nicht immer. Für mich persönlich hat sich eine Zwei- oder Drei-Spieler-Gruppe am angenehmsten erwiesen, wohingegen sich das Spiel mit den maximal ausgereizten vier Spielern nicht nur unnötig zieht, sondern auch unnötig kompliziert wird. Interaktionen mit den Begleitern fallen bis auf ein paar wenige Ausnahmen fast komplett weg, und wenn jeder Wert auf einen anderen Aspekt des Spiels legt – zum Beispiel erkundet der eine lieber, während der andere eigentlich nur kämpfen möchte – ist die Geduld und die Stimmung in der Gruppe schnell ausgeraucht. Hat man eine Gruppe, die das Spiel gleichermaßen in allen möglichen Aspekten erforschen will, wird man da natürlich keine Probleme haben.

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© Larian Studios

Im Umgang mit den NPCs erweist sich der Multiplayer insofern problematisch, als dass immer nur einer zur gleichen Zeit mit den NPCs reden kann, während die anderen nur zuhören und nicht selbst in das Gespräch mit einsteigen können. Sprechen die anderen Spieler den NPC dann selbst an, müssen sie den Dialog meist komplett von vorne durchklicken, so als hätte man den NPC einfach auf Werkeinstellungen zurückgesetzt. Das ist zwar schade, ermöglicht es einem aber, einen Dialog zu wiederholen, sollte der Vorrednet beispielsweise beim Überzeugen versagt haben, kann es der nächste versuchen, ohne dabei Probleme zu bekommen.

Im Kampf ist absolutes Teamwork und Absprache gefragt – wird man von der Gruppe getrennt oder achtet man nicht ausreichend auf Positionierung und Lebensanzeige, liegt man schnell im Matsch. Es macht Spaß, sich untereinander zu koordinieren und die eigenen Fähigkeiten auf den Rest der Gruppe abzustimmen. Wie wichtig das ist, wird mit zunehmendem Level und ansteigendem Schwierigkeitsgrad der Kämpfe umso deutlicher.

Wertung

Ich kann Divinity: Original Sin 2 jedem Spieler uneingeschränkt empfehlen, der Rollenspiele liebt und mit rundenbasiertem Kampfsystem kein Problem hat. Es ist vielfältig, detailliert, hat eine riesige Story, eine Menge Spielzeit, abwechslungsreiche Kämpfe und unbegrenzte Möglichkeiten. Jeder, der den ersten Teil auch mochte, wird in diesem Spiel ein verbessertes Divinity kennen und lieben lernen. Auch wenn der Multiplayer in mancherlei Hinsicht seine Schwächen hat, die eher im Menschlichen als im Spiel selbst begründet liegen, können wir auch in der Gruppe kaum genug von diesem Spiel bekommen.

Wertung: 98%

Metacritic: 94%

+ umfassende Charaktererschaffung
+ riesige Spielwelt
+ spannende Story
+ abwechslungsreiches Kampfsystem
+ hoher Wiederspielwert
+ Romanzen-Option
+ wunderschöner Soundtrack


– fehlende Begleiter-Interaktion im Multiplayer
– eingeschränkte Dialoge im Multiplayer

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