Action

[Review] Monster Hunter: World – Der Traum eines jeden Monster-Jägers

Seit Jahren verfolge ich die Monster Hunter Games nicht nur aus dem Augenwinkel, sondern bin bei jedem neuen Teil immer von Anfang an live dabei. Als Capcom auf der E3 2017 also ein neues Monster Hunter für die Next Gen Konsolen ankündigte, konnte ich meine Freude kaum in Worte fassen. Riesige, Ehrfurcht gebietende Monster mit überdimensionierten Waffen erlegen? Und das in 4K? Wer kann da noch nein sagen? Aber würde das altbekannte Konzept der Serie auch wirklich aufgehen? Die Erwartungen der Fans waren bis zum Schluss wohl kaum zu übertreffen…


Monster Hunter: World

Genre: Action Rollenspiel
Plattform: PlayStation 4, Xbox One, PC (bald)
Erscheinungsdatum: 26. Januar 2017
Entwickler: Capcom
Publisher: Capcom
Sprache: Deutsch [Sprache, Schrift]
Preis: 59,99€

Hier geht’s zum Spiel…


Die Ältesten-Wanderung

Es ist absolut faszinierend, wie Monster Hunter – eine Reihe, die bislang schon 19 eigenständige Titel hervorgebracht hat! – bei stets gleichbleibendem Gameplay auch heute noch mit einer neuen, plausiblen Story aufwarten kann. Zwar darf mworld

an bei einem Spiel, dessen Kern es ist, immer und immer wieder die selben Monster zu töten, kein Oscar reifes Meisterwerk erwarten – aber im Vergleich zu seinen Vorgängern legt sich Monster Hunter: World absolut ins Zeug, um eine in sich stimmige, auf Immersion ausgelegte Welt für seine Spieler zu erschaffen. In der sogenannten „Alten Welt“ erreicht die Gilde der Monster-Jäger ein dringender Notruf: In der „Neuen Welt“ setzen sich die Drachenältesten in Bewegung und bringen dadurch das gesamte Ökosystem durcheinander. Der gewaltige Zorah Magdaros, ein Monster, das eine ganze Insel auf dem Rücken trägt, hat sein Heimatgebiet verlassen und steuert das Festland der Neuen Welt an, um sich dort zum Sterben hinzulegen. Doch die geballte Magma-Energie, die in seinem Körper wohnt, würde bei seinem Ableben alles zerstören. Es liegt also an den Monster-Jägern, den Drachenältesten von seinem Kurs abzubringen.

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© CAPCOM

Die Wanderungen der Drachenältesten ist kein neues Phänomen: Alle hundert Jahre kommt es dazu, und jeden Mal werden Unterstützungen aus der Alten in die die Neue Welt gesendet, um der Situation Herr zu werden. Als Teil der 5. Flotte, d.h. der fünften Delegation seit Beginn der Zählung, ist der Spieler mitten im Geschehen. Bei einem ersten Durchgang dauerte es etwa 40 Stunden, um die Story rund um den Zorah Magdaros abzuschließen – doch selbst dann ist die Geschichte noch lange nicht an ihrem Ende angelangt. Noch immer werden stetig neue Monster und mit ihnen neue Probleme in die Handlung und das Spiel eingeführt. Je weiter der Spieler im Spiel kommt, desto höher klettert er in seinem Jäger-Rang und muss dabei immer stärkere Monster in die Knie zwingen. Nach etwa 54 Stunden Spielzeit hatte ich übrigens gerade Mal Jäger-Rang 14 von – ungelogen – insgesamt 100 Jäger-Rängen erreicht. Allein diese Relation lässt vermuten, wie viele Spielstunden nötig sein werden, um das Ende der Leiter zu erklimmen.


Wiederholung und Varianz

Zu Beginn des Spiels darf der Spieler seinen Charakter selbst designen. Die Möglichkeiten bei der Charakter-Erstellung scheinen beinahe grenzenlos zu sein und wirken, dafür dass man die meiste Zeit sowieso hinter einer Leder-, Knochen-, Plattenrüstung verborgen bleibt, fast zu schon zu übertrieben für ein Spiel wie Monster Hunter. Weil ich selbst aber immer sehr viel Zeit und Liebe in die Gestaltung meines Avatars stecke und viel Wert darauf lege, kann ich mich also eigentlich gar nicht beschweren. Umso schöner war es, zu sehen, dass mein Charakter dann auch so, wie ich ihn erstellt habe, in den Cutscenes des Spiels auftaucht, mit anderen Charakteren agiert und sich mit den brutalsten Monstern epische Gefechte liefert. Eine Stimme hat er dabei allerdings nicht, muss er aber auch nicht, denn das Reden übernimmt sowieso die meiste Zeit die quirrlige Wildexpertin ohne Namen, die uns das ganze Spiel über begleitet.

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© CAPCOM

Sind wir schließlich mit der 5. Flotte in der Neuen Welt angekommen, geht das Jagen auch schon los. Im Vergleich zu seinen Vorgängern gestaltet sich das Early Game in Monster Hunter: World wesentlich angenehmer: Während man beispielsweise in Monster Hunter 4 Ultimate für den Nintendo 3DS noch langwierige Sammelquests und nervige kleine Tötungsaufgaben erledigen musste, bevor man sein erstes großes Monster zu Gesicht bekam, geht man hier gleich in die Vollen. Angefangen beim vergleichsweise kleinen, klobigen Groß-Jagras bis hin zum gewaltigen Zorah Magdaros ist die Varianz der Monster angenehm durchdacht und sorgt für immer neue Herausforderungen. Neben einer großen Menge an neuen Monstern, die es bisher noch in keinem Teil zu sehen gab, sind auch altbekannte Bestien wieder mit von der Partie, wie etwa das Königsduo Rathian und Rathalos, der dickköpfige Barroth oder der schwerfällige Uragaan. Dabei hat jedes Monster seine eigenen Stärken, Schwächen, Angriffsmuster und Eigenheiten, die es beim Jagen zu beachten gilt. Man muss sich also immer wieder neu auf seinen Gegner einstellen – und gerade dann, wenn man ihn gut genug zu kennen glaubt, um ihn mit Links zu besiegen, taucht besagter Gegner in einer neuen wesentlich stärkeren Version mit neuen Eigenheiten wieder auf.

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© CAPCOM


Es ist nie genug

Der stark ansteigende Schwierigkeitsgrad des Spiels geht mit der steigenden Komplexität des Gameplays einher. So werden beispielsweise die – zugegebenermaßen – unübersichtlichen Waffen-Stammbäume immer verzweigter, die nach dem Aufwertungsprinzip funktionieren. Das heißt, Waffen lassen sich nicht wie gehabt einfach individuell mit den Materialien herstellen, die wir aus den Monstern looten, sondern man wertet eine Waffe wieder und wieder und wieder auf, stellt eine Waffe quasi aus einer vorhergehenden her, um das Maximum aus ihrem Potenzial herauszuholen. Das Ganze ist zwar mit der Zeit unglaublich unübersichtlich und fieselig, hat aber natürlich auch große Vorteile: Die Anzahl der Waffen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen scheint gegen Unendlich zu gehen; ebenso wie die Anzahl der Möglichkeiten im Kampf gegen die Monster. Wer nicht gerne Min-Maxing betreibt, der hält sich eben bequem an eine der insgesamt 14 Waffen-Klassen und eine einzige Waffen-Art, alle anderen haben in Anbetracht der großen Auswahl die Qual der Wahl. Dabei kann es leicht passieren, dass man sich im Detail verliert. Je höher der Jäger-Rang, desto schwieriger wird es plötzlich, die Einzelteile für die benötigte Ausrüstung aus den besiegten Monstern zu looten. Typisch für Monster Hunter (und andere Japano-Rollenspiele) ist also Farmen angesagt: Ein und das selbe Monster wieder und wieder töten, bis das gewünschte Item endlich dabei ist, mit dem man seine Waffe auf die aktuell höchstmögliche Stufe aufzuwerten. Um sich dann ein paar Minuten über das neue Ausrüstungsteil zu freuen und sich dann erneut in den harten Kampf zu begeben. Es nimmt kein Ende. Blogger-Kollege „SpielerDrei“ von Sieben von Zehn schreibt dazu passend zynisch:

[…] Ich muss vieles wiederholen, damit es einfacher wird. Das Töten gerät zur Fließbandarbeit. Wie eine Fantasy-Variante des Kükenschredderns. Und es ist nie genug. Auf jede erfolgreiche Jagd folgen Aufträge für zehn weitere. Niemand ist hier je zufrieden und ich bin es auch nicht. Es ist die Gier nach Gear, die niemals endet. […] Hin und wieder kaufe ich mir etwas Schönes, um mich für ein paar Minuten gut zu fühlen. Dann kehrt die Unzufriedenheit zurück. Jemand macht ein Foto von mir, wie ich den Schwanz von Karl Marx in die Kamera halte. Ich erkenne mich nicht wieder. […]

(Quelle)

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© CAPCOM

Und Himmel, er hat recht! Monster Hunter ist – und war schon immer – ein niemals enden wollender Kreislauf des Fortschritts. Die Monster sind gerade im High-Rank oftmals regelrechte Killermaschinen, die die Spieler vor immer mehr, immer größere Herausforderungen stellen. Was sich zugegebenermaßen irgendwie banal anhört, kann absolut süchtig machen: das ehrfürchtige Erzittern, wenn ein riesiger, feuerspeiender Drache vor Wut brüllt, das Glücksgefühl nach einer erfolgreichen Jagd, wenn man das Monster, das einen zuvor drei Mal auf die Ersatzbank geschickt hat, endlich erlegt hat, die Belohnung durch stärkeres, (meistens) übertrieben cooles Gear, das Gefühl, immer mehr, immer höher hinaus zu wollen – das alles kann absolut süchtig machen und ist sicherlich der Grund dafür, das ich in nur einer Woche über 50 Stunden in das Spiel investiert habe. Und das ganze Geheimnis steckt dabei bloß in dem Prinzip aus Wiederholung und Varianz. Und im Erfolg.


Achilles-Ferse: Multiplayer

Seien wir ehrlich: Monster Hunter ist seit je her auf Multiplayer ausgerichtet. Man kann zwar auch gut und gerne allein die Jäger-Leiter emporklettern, aber es wird nicht halb so befriedigend sein wie das Gefühl, ein mächtiges Monster mit drei weiteren Freunden gemeinsam zu erlegen, im Teamchat wilde Befehle zu rufen, sich zu koordinieren und am Ende gemeinsam über den Loot zu freuen. Schon immer war die Multiplayer-Gruppe beim Jagen auf vier Spieler begrenzt, in Monster Hunter: Worlds kommt ein neues Gilden-Prinzip ins Spiel, nämlich das der sogenannten „Jäger-Gruppe“. Ähnlich wie Gilden im MMOs bilden hier bis zu 16 Spieler gemeinsam eine Gruppe, können gemeinsam zu Jagden aufbrechen oder einfach im Community-Hub sitzen und miteinander kommunizieren. Ich persönlich spiele in einer Jäger-Gruppe von fünf Leuten, in der jeder mit jedem Mal gemeinsam auf Quest geht, in der man sich austauscht und gemeinsam das Spiel genießt. Dieses In-der-Gruppe-Spielen trägt seinen eigenen, großen Anteil am hohen Suchtfaktor des Spiels. Man stachelt sich also geradezu gegenseitig zum Erfolg an.

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© CAPCOM

Ein absoluter Wermutstropfen sind dabei jedoch die ständigen Verbindungsprobleme, die seit Launch des Spiels vermehrt auftreten. So können einzelne Mitglieder der Jäger-Gruppen-Sitzung nicht beitreten, bekommen immer wieder einen unbekannten Fehlercode ausgespuckt und müssen das Spiel immer und immer wieder neu laden, in der Hoffnung endlich mit Freunden gemeinsam auf einem Server spielen zu können. Zwei Spieler in einer Jagdgruppe sind in der Regel kein Problem, aber mit all unseren fünf Mitgliedern gleichzeitig online sein zu können, war fast einem Glücksspiel gleichzusetzen. Ich verstehe, das bei 5 Millionen verkauften Exemplaren in der ersten Woche, der Andrang des Spiels so überraschend groß ist, dass es zu Server-Problemen kommen kann. Aber dass bisher noch keine Besserung in Sicht ist – und auch ein offizielles Statement bislang noch nicht in Sicht ist, finde ich wirklich bedenklich. Es ist einfach schade, das eine so grandiose Online-Multiplayer-Erfahrung durch wiederholten Frust getrübt werden muss.

Ein weiteres Manko des Multiplayers, über das ich nur den Kopf schütteln kann ist, dass das Anmelden für Hauptquests in der Gruppe ein absoluter Krampf ist. Erstmals kann man die Kampagne komplett in der Gruppe durchspielen, doch durchdacht ist das System nicht: Bevor man zusammen auf Hauptquest gehen kann, muss jeder Spieler die Cutscenes innerhalb der Quest gesehen haben, bevor man gemeinsam losgehen kann. Blöderweise kann man nicht einfach gemeinsam für die Quest anmelden und alle sehen die selbe Cutscene nur mit dem eigenen Charakter – nein, jeder muss die Quest einzeln, für sich starten und kann dann erst ab einem gewissen Punkt seine Freunde zur Jagd dazu holen. Die Freunde müssen aber die Cutscene schon gesehen haben, sonst können sie nicht joinen. Das heißt, wenn alle auf dem selben Stand sind, müssen alle Spieler gleichzeitig die Quest starten und alle bis auf einen brechen sie ab, um dann zur Hauptquest eines auserwählten Spielers der Gruppe hinzustoßen – absolut umständlich und unnötig kompliziert! Das hätte man ganz bestimmt auch anders lösen können.

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© CAPCOM


Wertung

Mal abgesehen von der blöden Verbindungsproblemen innerhalb der Jagdgruppe und den nervigen, umständlichen Hauptquests in der Gruppe, ist Monster Hunter für mich die formvollendetste Monster Hunter Umsetzung, die ich mir nur vorstellen kann. Während das Spiel auf den Next-Gen-Konsolen für Neueinsteiger definitiv erleichtert und angepasst wurde, kommen auch alte Jäger-Hasen ganz auf ihre Kosten. Das gewohnte Spielprinzip wurde in allen Aspekten eins zu eins umgesetzt und (wie immer) mit neuen Eigenheiten und Details, neuen Monstern und Waffen und Gadgets aufgepeppt und kontinuierlich verbessert. Mehr denn je kann man die Umgebung dazu nutzen, ein Monster zu Fall zu bringen, es zu mounten oder sogar einen riesigen Wasserfall hinabzuspülen. Die einzelnen Gebietskarten sind riesig, weit verzweigt, hochgradig detailliert und absolut wunderschön. Die neuen Monster sind einfallsreich, toll designt und herausfordernd und fügen sich wunderbar in den bereits bestehenden Pool von bekannten Monstern ein. Ich hätte mir lediglich noch ein paar weitere meiner Lieblingsmonster aus alten Teilen – wie beispielsweise Nerscylla oder Brachydios – in Monster Hunter World gewünscht. Sie in neuer, hochauflösender und strahlender Verkleidung zu sehen, wäre sicherlich ein Fest gewesen. Aber ich habe meine Hoffnungen an kommende DLCs noch nicht ganz aufgegeben. Monster Hunter: World ist eine einmalige Erfahrung, die mich wie kein Spiel bislang so fest an meine PlayStation 4 gefesselt hat, dass ich gerade in den ersten Tagen kaum an etwas anderes denken konnte. Und auch jetzt, nach über 50 Stunden Spielzeit bisher, ist noch kein Ende der Herausforderungen in Sicht, die das Spiel tagtäglich für mich bereithält. Eine absolute und uneingeschränkte Kauf- und Spiel-Empfehlung!


Wertung: 98%

METACRITIC: 91%

+ große Auswahl an neuen und alten Monstern
+ hoher Herausforderungsgrad
+ atemberaubende Grafik
+ riesige, weitverzweigte und detaillierte Gebietskarten
+ große Auswahl an Gadgets im Kampf (und außerhalb)
+ 16 Waffen-Klassen
+ hohe Komplexität des Waffen- und Ausrüstungssystems
+ 100 Jägerränge
+ sehr sehr viel Spielzeit
+ detaillierte Charaktererschaffung
+ toller Soundtrack
+ Katzen! (Palicos)


– Verbindungsprobleme mit Online-Jägergruppen
– Hauptquests lassen sich nur umständlich in der Gruppe bestreiten

 

Ich danke dem Team von CAPCOM für die Möglichkeit, Monster Hunter: World offiziell testen zu dürfen!

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