Action

[Review] Final Fantasy XV – Man wächst mit seinen Aufgaben

Über ein Jahr ist es her, seit Final Fantasy XV offiziell für PlayStation 4 und Xbox One erschien. Und etwa genauso lange habe ich gebraucht, mich mit diesem monströsen Werk anzufreunden. Zwischen uns hat es zwar gefunkt, aber irgendwie nie wirklich gepasst. Und trotzdem – als ich schließlich am Ende meiner Reise mit Noctis, Gladio, Prompto und Ignis angekommen war, wollte ich plötzlich gar nicht mehr loslassen.


Final Fantasy XV

Genre: Action, Rollenspiel, JRPG
Plattform: PlayStation 4, Xbox One, PC (bald)
Erscheinungsdatum: 29. November 2016
Entwickler: Square Enix
Publisher: Square Enix
Sprache: Deutsch [Sprache, Schrift] – Ich empfehle japanischen O-Ton!
Preis: 49,99€

Hier geht’s zum Spiel…


Ein Königreich vor dem Untergang

Der langen Tradition der Reihe folgend, spielt Final Fantasy XV in einer eigenen Welt namens Eos, die sich in insgesamt fünf Königreiche unterteilen lässt: Lucis, Niflheim, Tenebrae, Solheim und Accordo. Alle diese Nationen stehen unter der Herrschaft des technisch fortschrittlichen Reiches Niflheim – alle, bis auf Lucis. Als letzte verbliebene Nation im Schutz eines magischen Kristalls, herrscht in Lucis die Macht der Magie, während alle anderen Nationen lernen mussten, ohne sie auszukommen. Ein Vorteil, der in Niflheim seit jeher Neid und Missgunst weckt. Als es in Lucis Hauptstadt Insomnia eines Tages zu Friedensverhandlungen kommen soll, nutzt der böse Herrscher Niflheims, Iedolas Aldercapt, die Gelegenheit, die Stadt von innen heraus ihres Schutzschildes zu berauben, um schließlich mit geballter, militärischer Macht das Königshaus Lucis Caelum auszulöschen und den Kristall – und mit ihm die ganze Nation – an sich zu reißen.

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© Square Enix

Noch bevor Niflheim seinen Angriff auf Insomnia durchführen kann, werden Prinz Noctis und seine drei Freunde von König Regis Lucis Caelum losgeschickt, um ihre Bestimmung zu erfüllen: Noctis soll alle Königsgräber der Familie Lucis aufsuchen und die dort untergebrachten Königswaffen in seinen Besitz bringen. Nur so wird er stark genug sein, die prophezeite Dunkelheit aufzuhalten, die das Land bedroht. Was für die Jungs – und den Spieler gleichermaßen – als Road-Trip im Luxus-Wagen mit gemütlichen Pausen am Lagerfeuer beginnt, entwickelt sich zu einer überraschend komplexen, gut durchdachten und Story, die auf ein rasantes, cineastisch pompöses Finale hinausläuft. Die Open-World-Elemente des Spiels ziehen die ganze Geschichte dabei zum Teil recht unangenehm in die Länge: Während man sich in der ersten Hälfte der insgesamt 15 Story-Kapitel etwas verloren von Nebenquest zu Jagdquest zu Hauptquest hangelt und die riesige Karte erkundet, geht es in der zweiten Hälfte deutlich linearer zu. Ich persönlich hätte mir eine weniger harsche Trennung zwischen beiden Spielstilen gewünscht – das Erkunden der offenen Spielwelt nimmt viel vom Story-Drive und fühlt sich während der letzten Spielstunden im Rückblick eher sinnlos an.

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© Square Enix


Erstmal Erwachsen Werden

Eines der wohl schönsten Dinge an Final Fantasy XV ist das liebevoll gestaltete Design der Charaktere sowie ihre charakterliche Entwicklung. Während Noctis zu Beginn der Reise noch ein verwöhnter Nörgler ist, findet er gegen Ende heraus, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen wie ein echter König. Doch zwischen diesen beiden Stadien muss eine Menge passieren – und das geht zugegebenermaßen eher langsam voran. Das Königreich Lucis brennt unter dem Banner der Niflheimer und trotzdem finden Prinz Noctis und seine Jungs genug Zeit, um in Ruhe durch die Prärie zu reisen – egal ob zu Fuß, auf dem Rücken eines Chocobos oder mit fahrbarem Untersetzer. Sie treffen die unterschiedlichsten Menschen und helfen nach Gutdünken und in klassischer Rollenspiel-Manier sogar bei jedem noch so kleinen Problemchen; und wenn das heißt, mal eben kurz zur nächsten Tanke zu fahren, um ein Pannenset für den dritten unglücklichen Autofahrer mit geplatztem Reifen zu besorgen.

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© Square Enix

Es gibt zwar auch eine ganze Reihe gut geschriebener und spannend gestalteter Nebenquests, wie etwa die mit dem amoklaufenden Behemoth, doch der Großteil zeichnet sich eher durch unangenehme Wiederholung und Belanglosigkeit aus: Bring mir einen Edelstein, töte fünf von diesen Monstern, finde den verletzten Chocobo, suche eine beliebige Anzahl an Fröschen/Fallen/XY und so weiter, und so fort. Eine Weile lang mag das ja irgendwie Spaß machen, schließlich bekommt man etwas von der Welt zu sehen… aber irgendwann ist einfach mal gut. Ein ähnliches Problem hatte ich übrigens auch mit den (meistens) eher schlauchigen Dungeons. Leider bleibt man aufgrund der hohen Preise für Ausrüstung und Heiltränke stets gezwungen, sich seinen Unterhalt zu verdienen – und so versucht man eben sein Bestes, sich mit sogenannten Jagdquests als semiprofessioneller Monster-Jäger über Wasser zu halten.


Wenn das Kämpfen nicht wäre

Ich meine es, wie ich es schreibe: Wenn das Kämpfen in Final Fantasy XV nicht wäre wie es ist, hätten wir alle ein Problem weniger. Okay, das klingt jetzt etwas sehr hart. Versuchen wir es so: Die meisten Kämpfe sind und bleiben absolut unübersichtlich. Egal ob gegen einen großen oder zehn kleine Gegner – man hat irgendwie immer das Gefühl etwas zu verpassen, sei es die Gelegenheit, einen gegnerischen Angriff zu blocken, oder mal eben eine riesige Götterbestie zu beschwören. Um einen Gegner anzuvisieren, sollte man immer die rechte Schultertaste gedrückt halten, auch wenn das bedeutet, dass einem irgendwann der Zeigefinger verkrampft, die linke Schultertaste sollte man dann gedrückt halten, wenn ein gegnerischen Angriff droht, um ihn zu blocken oder wie von selbst auszuweichen. Natürlich geht Letzteres nur dann, wenn du nicht gerade in einer aufwendigen Angriffskombo feststeckst, die du übrigens – wer hätte es gedacht – dadurch ausführst, dass du die Vierecktaste (PlayStation) gedrückt hältst, während du mit dem linken Joystick die Richtung des Angriffs vorgibst. Und da soll einer mal sagen, Videospiele seien kein Sport…

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© Square Enix

Zusätzlich hat man im Kampf Zugriff auf die Fähigkeiten der drei anderen Charaktere, sobald sich deren grüne Leiste gefüllt hat. Diese machen nicht nur richtig schön viel Schaden, sie lassen sich auch mit einem Angriff von Noctis kombinieren, wenn man es schafft, im Quicktime-Event die richtige Taste zu drücken, und sie machen den ausführenden Charakter im Moment des Angriffs immun gegen Schaden, was mir in richtig heftigen Bosskämpfen mehr als nur einmal den Hintern gerettet hat. Mit steigender Anzahl an gefundenen Königswaffen kann Noctis in eine Art Limit-Modus (siehe Kingdom Hearts) übergehen, in dem er unendlich viel MP hat und deutlich erhöhten Schaden verursacht. Auch außerhalb des Limit-Modus kämpft Nocts mit beschwörten Waffen, auf die er durch die Magie in seinem Blut unbegrenzten Zugriff hat. Dabei variiert er zwischen unterschiedlichen Waffentypen wie Kurzschwert, Lanze, Dolche, Breitschwert, Revolver und Schild. Wählen sollte man die Waffe nach der jeweiligen Schwäche des Gegners, die man im sogenannten „Wartemodus“ herausfinden kann. Der Wartemodus kann in den Einstellungen optional aktiviert werden und setzt immer dann ein, wenn wir die Finger vom Controller lassen und Noctis keine Befehle mehr geben. Dann pausiert das Spiel und wir bekommen durch das Gedrückthalten der rechten Schultertaste die Möglichkeit, unsere Gegner nach Schwächen und Resistenzen zu scannen.

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© Square Enix

Wird es im Kampf brenzlich, haben wir natürlich die Möglichkeit, das Spiel zu pausieren und auf unsere Items zuzugreifen, die wir bei uns führen. Wahlweise können wir uns aber auch dafür entscheiden, Noctis praktische Fähigkeit des Waffen-Warps zu verwenden, um uns für kurze Zeit aus dem Kampf zu verabschieden. Wenn wir uns an bestimmte Warp-Punkte hängen, erhalten wir in dieser Zeit eine erhöhte Lebensregeneration und unsere MP laden sich vollständig wieder auf. Wir können die Warp-Fähigkeit aber natürlich auch ganz bequem dazu nutzen, um bequem von Gegner zu Gegner zu springen und dabei derben Schaden zu verursachen. Doch Vorsicht! Das Warpen kostet (wie das Ausweichen) MP – sind diese leer, können wir nicht mehr viel tun. Wenn wir uns jedoch hinter ein Hindernis hocken und abwarten, laden sich die MP ganz schnell wieder auf. Kling anstrengend? Ist auch so. Besonders dann, wenn man von kleinen, schnellen, nervigen Gegner umzingelt ist. Fliehen ist natürlich auch immer eine Option…


Aber warum dann?

Das ist eine gute Frage. Warum mag ich Final Fantasy XV eigentlich, wenn mir das Kampfsystem auf die Nerven geht, die Open World irgendwie störend und die Nebenquests irgendwann öde waren? Zunächst einmal ist ein ganz großer Punkt die unglaublich gut inszenierte Story. Wir haben alles: ein fantastisches Abenteuer, tolle Charaktere, gute Freunde, eine Liebesgeschichte, Badass-Götterbestien, große Bosskämpfe, ein magisches Finale und eine Menge rührseliger Tränen. Die Geschichte ist eine Achterbahn der Gefühle, die in den letzten Minuten nach dem Abspann ihren Höhepunkt erreicht. Dann sind es die kleinen Dinge: Egal, ob man mit Noctis an einem Arcade halt macht, mit seinen Jungs campen geht, sich von Ignis bekochen lässt und von Prompto die verrücktesten Fotos aus den letzten Spielstunden gezeigt bekommt – es gibt einem irgendwie ein warmes Gefühl. Die Dialoge, die unter den Freunden stattfinden, sind (gerade im japanischen O-Ton) immer voller Leben, glaubwürdig, ihre Gefühle sind authentisch und das Gesagte niemals repetitiv. Jeder Einzelne von ihnen hat ein eigenes Hobby: Prompto fotografiert gern, Noctis angelt, Ignis kocht und Gladio ist ein guter Spurenleser. All diese vier Fähigkeiten lassen sich in ruhigen Minuten des Spiels ausbauen, laden zum Innehalten und Durchatmen ein. Irgendwann waren mir die vier dann so ans Herz gewachsen, dass es mir plötzlich gar nicht mehr so schwer fiel, die nervigen Nebenquests abzuarbeiten oder das krampfige Kampfsystem auszuhalten. Schließlich bedeutete es, dass ich dem unausweichlichen Ende, dessen Auswirkungen durch die Prophezeiung schon von Anfang an klar waren, noch ein kleines Bisschen länger entkam.

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© Square Enix


Wertung

Final Fantasy XV war für mich eine fantastische, aber keine einfache Reise. Während mein Umfeld immer wieder beteuerte, wie grandios dieses Spiel sei, habe ich irgendwie krampfhaft versucht, es zu mögen und stieß dabei auf immer größere Hindernisse, die mich genau davon abhielten. Nachdem ich das Spiel nun über ein halbes Jahr beiseite gelegt hatte, kam ich im Rahmen der #PileofNothing Challenge wieder darauf zurück – und konnte mich plötzlich viel besser auf Noctis und seine Freunde einlassen. Final Fantasy XV versucht vieles anders zu machen als seine Vorgänger, schafft es dabei aber nicht ganz, die Mischung zwischen Open World und linearem Gameplay so reibungslos umzusetzen, wie es gerne gewollt hätte. Es ist kein perfektes Spiel, das ich uneingeschränkt in den Himmel loben könnte – es hat seine Fehler, seine Ecken und Kanten, aber es hat auch viele verdammt gute Seiten: Die Story, die Charaktere, die wunderschöne Welt, die vielen Details. Die Chocobos! Die Musik. Die epischen Augenblicke, bei denen man live dabei, als Teil der Gruppe agiert. All das hat mich über die Abstriche hinweggetröstet, die ich im Hinblick auf Gameplay und Varianz der Nebenquests machen musste. Und verdammt, mein Herz tut noch immer ein kleines Bisschen weh bei dem Gedanken, das die Reise jetzt unwiderruflich vorüber sein soll. Dabei hatte sie doch gerade erst angefangen.


Wertung: 78%

METACRITIC: 81%

+ authentische, sympathische Charaktere
+ epische Story
+ starke Immersion
+ gewohnt schöner Final Fantasy Soundtrack
+ grafisch ein Fest
+ umfangreiches Skillsystem
+ Liebe zum Detail
+ schöne, einfühlsame Dialoge
+ beinah makellose Cutscenes
+ Ardyn
+ dieses Ende!


– unübersichtliche Kämpfe
– Kampfsystem ist ein Krampf
– Nebenquests sind repetitiv
– schlauchige Dungeons
– Open World stört den Story-Flow
– unsanfter Übergang zwischen Open-World und Linearität

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