Games Review

[Review] Monster Hunter Stories – Frischer Wind nach altem Rezept

Wenn Monster zu Monsties werden

Wer das Monster Hunter Franchise kennt, der weiß, dass es nicht nur zu einem der bekanntesten Capcoms gehört, sondern auch, dass es eine seit 13 Jahren fast ungebrochene Tradition an Spielen vorweisen kann, die stets nach dem selben Prinzip funktionieren. In Monster Hunter Stories jagen wir zwar auch Monster, doch sie sind nicht grundsätzlich unsere Feinde: Vielmehr erziehen wir sie dazu, unsere Freunde zu werden.

Monster Hunter Stories

Genre: Abenteuer-Rollenspiel
Plattform
: Nintendo 2DS & 3DS
Erscheinungsdatum: 8. September 2017
Entwickler: Marvelous / Capcom
Publisher: Nintendo / Capcom
Spielzeit bisher: ca. 20 Stunden
Spielzeit bis Abschluss: ??
Preis: 39,99€

Hier geht’s zum Spiel…

Die Story

Wir beginnen unsere Reise in die Welt der Monster als namen- und gesichtslose Figur, die mit ihren beiden Freunden auf der Suche nach Monster-Eiern durch die Wildnis zieht. Als Jugendliche ist es unser großer Traum, ein Rider zu werden, ein Beschützer des Heimatdorfes mit ganz besonderer Verbindung zu Monstern: einer Seelenverbindung. Wir finden ein Ei und brüten ein kleines Drachen-Monster aus, das uns von diesem Moment an als seine Mama akzeptiert. Doch die Idylle währt nicht lange, denn der Schwarze Pesthauch hat die Monster in der Umgebung befallen und es kommt zu einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes…

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© Capcom, Nintendo

An dieser Stelle muss ich zugeben, hat mich die Story eiskalt erwischt. Beachtet man die Aufmachung des Spiels, die man eher in Richtung bunt und fröhlich – und dadurch eher als Zielgruppe für Kinder – einordnen würde, wirkte die Katastrophe der Eingangssequenzen auf mich geradezu schockierend: Nicht im Sinne ihrer Brutalität, denn Blut enthält sie keins, aber im Sinne ihrer Düsternis, die die fröhliche Szenerie überraschend zerreißt. Mich als Erwachsene hat sie definitiv überzeugt und erst auf den zweiten Blick erinnerte ich mich daran, dass die Story-Konzeption für japanische Anime-Verhältnisse nicht ungewöhnlich daher kommt. Im Gegenteil, sie bedient sich an allem, was nach Anime- bzw. Manga-Verhältnissen eine gute Geschichte ausmacht: einen Helden mit reinem Herzen, die Macht der Freundschaft, eine düstere Bedrohung, einen ulkigen Humor, einen verrückten, herzigen und unfassbar niedlichen Sidekick – Navirou, die Navigations-Katze – und einen epischen Soundtrack. Nehmen wir die niedliche Ghibli-Optik und die kleinen Badass-Monster dazu, haben wir ein perfektes Paket. Die Story umfasst bei normalem Tempo etwa 30 Stunden Spielzeit und umfasst auch danach noch Nebenquests und neue Monsties, um den Spieler bei Stange zu halten.

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© Capcom, Nintendo

Das Gameplay

Noch bevor wir unser erstes Ei in den Händen halten, erhalten wir die Möglichkeit, unseren eigenen Avatar nach eigenem belieben zu gestalten. Die Wahlmöglichkeiten sind dabei zwar nach heutigem Rollenspiel-Maßstab begrenzt, für Nintendo 3DS Verhältnisse aber überraschend vielfältig. Man darf nicht vergessen, dass der Handheld inzwischen auch schon 6 Jahre auf dem Buckel hat. Hautfarbe, Haare, Haarfarbe, Gesicht, Statur und Stimme lassen sich einstellen und variieren zwischen ansehnlich-erwachsen und kindlich-verrückt. Eine eigene Stimme bekommt unser Held in Dialogen zwar nicht, aber die Auswahl die wir hier treffen hat zumindest Auswirkungen auf unsere Kampf- und Zustimmungsgeräusche während der Cutscenes.

Dann geht es auch schon los. Nachdem wir unsere Hauptgeschichte eine Weile verfolgt haben, lernen wir kennen, was es heißt, ein Rider werden zu wollen. Es gilt, die Nester der Monster ausfindig zu machen und sich dann aus ihnen ein einziges Ei zu nehmen. Welches Monstie letztlich aus dem Ei schlüpfen wird, hängt von der Farbgebung, vorallem aber von den Mustern ab, die auf der Eierschale zu sehen sind. Unser treuer Begleiter, der Kater Navirou, erzählt uns dann anhand seiner guten Nase, ob das Ei stinkt und nach nichts riecht – und ob es ein normales oder ein außergewöhnliches Ei handelt. Haben wir uns für eines entschieden, müssen wir schnellstmöglich aus dem Bau entkommen, bevor die Mutter kommt und es zum Kampf kommt.

Haben wir das Ei ergattert, kehren wir in die Stadt zurück und brüten es bei unserem netten Ei-Gehilfen aus, indem wir mit dem Stift, der der Konsole beiliegt, bestimmte Stellen an der Schale antippen, um so unserem neuen Monstie ein paar gute Status-Werte zu vererben. Großziehen müssen wir sie übrigens nicht, denn wie von Zauberhand wachsen die kleinen Dinosaurier zu Erwachsenen heran, sobald wir das Ei-Menü wieder schließen und wir können sofort mit ihnen auf Reisen gehen, ohne uns über Welpenschutz Gedanken machen zu müssen.

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© Capcom, Nintendo

Im Prinzip funktioniert es ähnlich wie bei Pokémon: Die Monsties besitzen eigene Statuswerte wie Angriff und Verteidigung. Je nachdem, wie gut das Ei war, aus dem sie kamen, sind diese höher oder eben nicht und mit jedem Level steigen ihre Werte. Level erreichen wir, indem wir durch Kämpfe gegen andere, freilaufende Monster oder andere Trainer mit ihren Begleitern Erfahrung sammeln und sie auf diese Weise trainieren. Monsties besitzen auch eigene Gene, die es uns etwas später im Spiel möglich machen, besondere Attacken und Fähigkeiten von einem auf das andere Monster zu übertragen. Dabei verschwindet das Monster, dessen Fähigkeiten übertragen werden sollen, jedoch vollkommen aus unserer Kontrolle. Unterwegs können wir immer ein Team aus 6 Monsties bei uns tragen, während alle anderen, die diese Zahl übersteigen, auf der Bank auf uns warten. Es kann immer nur ein Monstie im Kampf oder auch außerhalb des Kampfes aktiv sein, auf dem wir dann durch unsere Welt reiten, reisen, klettern, schwimmen und fliegen können – je nachdem, was seine Fähigkeiten sind.

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© Capcom, Nintendo

Das Kampfsystem

Im Kampf kämpfen unser Held und unser aktives Monstie Seite an Seite. Das Menü ähnelt dabei stark dem von Pokémon oder anderen rundenbasierten Rollenspielen: Wir können wählen, welchen Angriff wir machen und ob unser Monstie eine Fähigkeit einsetzen soll oder nicht. Entscheiden wir uns gegen eine Fähigkeit, wird es von selbst einen normalen Angriff wagen. Es gibt drei verschiedene Arten von Angriff: Geschwindigkeitsangriff, Kraftangriff und Technischer Angriff. Diese wirken in einer Stärke-Schwäche-Triangel: Geschwindigkeitsangriffe sind Kraftangriffen überlegen, Kraftangriffe sind Technischen Angriffen überlegen und ein Technischer Angriff dem mit viel Geschwindigkeit. Im Kampf müssen wir unseren Gegner gut beobachten, da sie alle eigene Angriffrotationen haben, um im richtigen Moment den richtigen Konterangriff zu starten. Was sich jetzt besonders heikel anhört, entpuppt sich gerade im frühen Spielverlauf als äußerst eintönig, da zwar jeder Angriff seine eigene Animation hat, diese aber nicht allzu sehr variieren, da es eben nur drei Angriffsarten gibt.

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© Capcom, Nintendo

Mit jedem geglückten Angriff steigt eine Leiste an, die anzeigt, wie eng die Verbindung zwischen dir und deinem Monstie im Kampf ist. Ist die Leiste gefüllt, kannst du im Kampf auf seinen Rücken steigen und beritten kämpfen. Dann seid ihr nicht nur stärker, sondern auch eure Lebensleiste verschmilzt, sodass ihr mehr aushaltet. Wenn ihr es dann mit Treffern im Kampf schafft, die Leiste noch einmal zu füllen, kannst du einen Spezialangriff aktivieren, der ganz schön wehtut. Der Spezialangriff lässt sich übrigens bis zu einem Level 3 aufladen, dann ist der Output am größten.

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© Capcom, Nintendo

Will man im Kampf einen Heiltrank oder ein anderes Item verwenden, sollte man vorher übrigens gut darauf achten, dass man das Item auch vorher in seinen Kampfbeutel getan und anschließend die Beuteleinstellungen gespeichert hat, sonst schaut man ganz schön aus der Wäsche – ein Zustand, der mir leider viel zu oft passiert ist.

Hat man das gegnerische Monstie besiegt, gibt es Loot – und Dinge wie Knochen und Haut können beim Schmied gegen neue Waffen und Ausrüstung eingetauscht werden. Leider gibt es im Vergleich zum regulären Monster Hunter Franchise hier nur eine sehr begrenzte Anzahl an unterschiedlichen Waffenarten, was leider zur Eintönigkeit im Kampf beträgt.

Grafik & Performance

Seien wir ehrlich, dafür, dass der kleine Handheld schon so alt und das Spiel so neu ist, ist das Grafik-Output atemberaubend. Die Farben sind knallig, die Ränder der Figuren und Details kaum zackig oder verschwommen und es hat einen relativ hohen Detailgrad. Wir erkunden eine relativ offene Welt mit großen Kartenabschnitten, die man mehrere Minuten durchschreiten muss, um überhaupt einen Ladebildschirm zu sehen und die Welt ist angefüllt mit den verschiedensten Monstern, Items und Nesterhöhlen, die übrigens zufällig an unterschiedlichen Standorten spawnen. Dass das auf die Performance drückt ist weder verwunderlich noch schlimm: Es kommt hin und wieder zu minimalen Rucklern, wenn die Welt nachladen muss oder die Details zu groß werden, aber in Höhlen, im Kampf oder in Cutscenes merkt man davon gar nichts. Letztere sind übrigens wahnsinnig gut inszeniert, sodass man leicht das Gefühl bekommt, man würde eine hochwertige Animationsserie verfolgen, was höchst motivierend für den Spielverlauf ist!

Wertung

Ich habe selten ein so detailliertes, aufwendiges und liebevoll gestaltetes Spiel für den Nintendo 3DS gespielt wie dieses. Es bietet nicht nur eine riesige Menge an Spielzeit, eine große, wunderschöne Spielwelt mit unterschiedlichen Abschnitten topografischer Variation, sondern auch über 100 Monster zum zähmen und trainieren, reiten und liebhaben. Gerade für Fans der Reihe ist das Spiel ein Genuss, denn wir sehen viele bekannte Gesichter aus den Teilen der Serie wieder, Monster, die wir früher bekämpft und jetzt plötzlich lieb gewonnen haben: Rathalos, Diabolos, Demonjho, Pink Rathian, Khezu, etc. Sogar den großen Lagiarcrus aus dem ersten Teil kann man ausbrüten, um auf ihm zu schwimmen. Es macht großen Spaß sie zu sammeln und mit ihnen die Welt zu erkunden. Ein großes Manko waren für mich allerdings die eintönigen Kämpfe, in denen man selten davon Gebrauch machen muss, sein Monstie zu wechseln, weil sie auch nicht besonders anspruchsvoll sind. Die Nebenquests waren zum Teil immer wieder das selbe. Und sobald man alle Monsties in einem Gebiet gesammelt hat, wird es dort recht eintönig. Man kann mit seinen Monsties auch nicht viel mehr tun, als sie zu reiten und mit ihnen zu kämpfen, wohingegen man bei Pokémon seine Schützlinge seit ein paar Jahren hegen, pflegen und füttern kann. Die Story und das Sammeln von unterschiedlichen Monsties steht hier eindeutig im Vordergrund. Wer sich von den wenig abwechslungsreichen Kämpfen, ein paar Rucklern und einer eher geringen Auswahl an Waffentypen nicht abschrecken lässt, der ist hier mit einem sehr guten Abenteuer-Rollenspiel beraten!

Wertung: 86%

METACRITIC: 79%

+ tolle Grafik auf der bereits älteren Konsole
+ Story wie in einem guten Anime
+ über 100 verschiedene Monsties
+ spaßiges Gameplay
+ liebenswerte Charaktere
+ Wiedersehen mit alten Freunden


– eintöniges Kampfsystem
– ein paar Performance-Ruckler
– geringe Auswahl an verschiedenen Waffentypen
– kaum Interaktionsmöglichkeiten mit den eigenen Monsties
– nerviges Kampfbeutel-System

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© Capcom, Nintendo

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